Blick in die Winterungen
Für Raps sowie Gerste und Roggen ist der nächste Schritt die Ernte, alle anderen Maßnahmen sind abgeschlossen.

Im Winterraps waren die größten Herausforderungen die Bekämpfung der Schadinsekten. Das betrifft nicht nur den Herbst, sondern insbesondere der zeitige Befall mit Rüsslern (verschiedene Arten) im zeitigen Frühjahr. Vielerorts wurde im späten Herbst der Wirkstoff Cyantraniliprole eingesetzt, weil so die herumvagabundierenden Larven innerhalb der Pflanze in allen Stadien gut bekämpft werden können. Daher wird der Wirkstoff möglichst spät in der Vegetationszeit eingesetzt, um verzettelte Zuflüge (+Eiablage) noch mit zu bekämpfen. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Winterraps damit im Frühjahr befallsfrei in die Vegetation startet, denn auch in den Wintermonaten gibt es immer wieder Zuflüge von unterschiedlichen Insekten (Rapserdfloh, gefleckter Kohltriebrüssler, schwarzer Kohltriebrüssler).

Eine wiederkehrende Gefährdungslage gibt es oft im Februar an wenigen warmen Tagen, bereits hier muss es mancherorts einen massenhaften Zuflug von Rüsslern gegeben haben, anders sind diese massiven Befälle mit mehr als 15 Larven pro Pflanze nicht erklärbar. Diese Bestände haben die weitreichenden Frostnächte bei intensiver Strahlung nicht überstanden und wurden oft umgebrochen. Vitale Bestände haben sich oft homogen entwickelt, die Seitentriebe haben sich gleichmäßig nach oben gezogen, wobei die Pflanzenlänge in diesem Jahr deutlich kürzer als in Vergleichsjahren beschrieben werden kann. Die Blüte startete Ende April und hielt etwa vier Wochen an. Auf mittleren und besseren Standorten wurden durchaus Fungizide in der Blüte eingesetzt, der Warndienst hatte dazu aufgerufen.
Die Gerste und der Roggen haben ebenso ihre Abschlussbehandlung erhalten. Mit dem „Pinseln“ der Grannen ist bei Gerste der letzte sinnvolle Behandlungszeitpunkt erreicht, da das Dach aus Grannen ein tiefes eingreifen der Spritzbrühe verhindert. Anders ist es bei Roggen, hier sollte aber ein Fungizid auch vor der Blüte in Betracht gezogen werden, um Braunrost langanhaltend zu bekämpfen (Behandlungen in der Vollblüte führen zu Mutterkorn). Bis zum Erntestart können immerhin noch fünf bis sechs Wochen vergehen. Die Herausforderung in beiden Kulturen war die Frage nach einer sparsamen Fungizidstrategie. Da das Frühjahr sehr trocken begann und der vergleichsweise strenge Winter einen schleichenden Befall verhinderte, müsste es mit einer späten Einmalbehandlung (BBCH 51 bis 59) mit mindestens 80 Prozent Aufwandmenge gut gelaufen sein, da man den geringen Befall zu BBCH 31 gut tolerieren konnte. Auch wenn das Fungizid im Kanister blieb, so entfiel die Durchfahrt zu dem Stadium nicht, weil man in aller Regel mit einem Wachstumsregler die ersten Internodien zu diesem Zeitpunkt stressfrei stabilisiert hat. Nach den zwei bis drei kräftigen Regenereignissen und zeitweise hohen Temperaturen kam es aber zu Infektionen, eine völlige Zero-Strategie war keinesfalls ratsam, da die Zeit zwischen letztem sinnvollen Behandlungstermin und Erntestart einfach zu lang ist.

Der Weizen befindet sich aktuell im Ährenschieben, eine Nachdüngung zur Steigerung der Qualität sollte bereits gefallen sein, hier bot sich wie in jedem Jahr PIAGRAN® pro an. Der Harnstoff mit Ureaseinhibitor hat ein sehr gutes Vermögen, sich im Boden zu verteilen und damit in der aktiven Wurzelzone von der Pflanze aufgenommen zu werden. Eine mögliche Fungizidbehandlung ist im Weizen noch offen – die klassische Blütenspritzung gegen Fusarium. Ist die Blüte also verregnet, so bietet sich eine Behandlung bei Mulchsaat, bei anfälligen Sorten und nach der Vorfrucht Körnermais an. Tierhalter wissen ohnehin über die Belastung mit Deoxynivalenol und Zearalenon Bescheid, aber auch Saatguterzeuger wissen um die Wichtigkeit der Behandlung gegen Fusariosen. Diese sind samenbürtig und können später mit Beizmitteln nicht immer ausreichend sicher bekämpft werden. Bei allen Vorteilen (Anwenderschutz) der Elektronenbehandlung können nur an der Oberfläche des Saatkornes sitzende Erreger wirkungsvoll bekämpft werden, daher ist hier eine chemische Beizung des Basissaatgutes und eine intensive Fungizidstrategie eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Z-Saatguterzeugung mit Elektronenbehandlung.
