Fachberater Berlin, Brandenburg

Bertram Kühne
Brandenburg und Berlin

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Sonnenblumen trotzen der Trockenheit

Die Marktverwerfungen des Frühjahres 2022 haben den Anbauumfang von Sonnenblumen regelrecht aufblühen lassen. Keine andere Frucht könnte den Wünschen der Landwirte gerechter werden. Erstmals ein guter Konsumpreis in Kombination mit gestiegener Nachfrage und einem geringen Stickstoffbedarf beflügelte den Anbau. Leider gab es bei den Anbauern ohne nennenswerte Erfahrung mit dieser Kultur Probleme im Herbizid-Management. Die Vorauflaufbehandlung ist unter den trockenen Bedingungen Brandenburgs schwer zu kalkulieren. Ein feuchter Boden ist die Voraussetzung für eine ausreichende Wirksamkeit. Als Alternative stehen Sylfonylharnstoff-resistente Sorten zur Verfügung; diese können auch im Nachauflauf behandelt werden. Diese Variation kommt natürlich in Sonnenblumen vor und kann ohne den Einsatz von gentechnischen Züchtungsmethoden eingekreuzt werden. Ein Wehrmutstropfen muss aber erwähnt werden: die Wirkstoffgruppe der Sylfonylharnstoffe ist resistenzgefährdet und sollte nur einmal pro Fruchtfolge eingesetzt werden, hier sind daher kostenintensivere Varianten in Mais und Getreide die Folge.

Eine unzureichende Behandlung gegen Unkrauter hat weitreichende Folgen für Sonnenblumen, der weite Reihenabstand lässt die Bestände recht spät schließen und vor allem Problemunkräuter wie Windenknöterich können sich sehr lange entwickeln. Die großen Unkräuter stehen in direkter Konkurrenz zu Wasser und Nährstoffen, was sich auf Stressstandorten jetzt optisch abzeichnet. Saubere Bestände stehen im Moment noch gut da. Bleibt sicherer Regen jedoch in den nächsten 14 Tagen, wie prognostiziert, aus, so wird es mit der weiteren Entwicklung kritisch. Eine Alternative kann die Hacke sein, Problemunkräuter werden sicher erfasst und die obere Bodenschicht (zwei bis drei Zentimeter) wird regelmäßig gebrochen. Das hat den unschätzbaren Vorteil, dass die Kapillarität des Bodens zerstört wird und unproduktive Verdunstung sehr stark gehemmt wird. Auf besseren Standorten wird durch die Bodenbewegung der Luftaustausch verbessert. Zweischneidig ist die deutlich verstärkte Mineralisierung zu bewerten sowie der geförderte Humusabbau, welcher aber über die Fruchtfolge ausgeglichen werden kann. Auf Hangneigungen ist die Hacke nur in Kombination mit einem strikten Saatrichtungsmanagement zu empfehlen, denn bei Niederschlägen kann der frisch gehackte, lockere Boden schnell mehrere Meter weit abgetragen werden.