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Proteinversorgung der Bevölkerung

Die umgangssprachliche Behauptung „Am Misthaufen erkennt man den Bauern“ beschrieb einst Carl Fraas in seinem „Beitrag zur Lehre vom Völkeruntergang durch Bodenerschöpfung“ im Jahre 1865. Der Agrarwissenschaftler aus München meinte sinngemäß, dass man am Misthaufen „die innere Kraft“ des Hofes erkennt. Zu seiner Zeit hatte er damit gewiss Recht. Es gibt aber keinen Grund, den Schwund an Misthaufen zu bedauern. Oder etwa doch? Ein Dorf mit vielen Höfen und entsprechend vielen Misthaufen schaffte über viele Jahrhunderte einen Nährstoffgradienten um die Ortslage mit abnehmender Konzentration äquivalent zur Entfernung. Das galt früher wie noch heute. Mist muss transportiert werden, im Jahre 1865 wäre also der Handkarren das Fortbewegungsmittel der Wahl gewesen. Pferde oder Zugrinder musste man sich schon leisten können. Aber auch heute kostet jeder Meter Transport Liquidität, denn Diesel muss sofort bezahlt werden. Nicht umsonst haben Wirtschaftsdüngerspezialisten auf den Transport mit LKW umgestellt oder bereiten Gülle in transportwürdige Substrate auf.

Der Hauptunterschied zu heute besteht vor allem darin, dass man 1865 die Ammoniaksynthese noch nicht kannte. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es schließlich zum Showdown, nicht nur Fraas machte sich Gedanken über die Ernährung der wachsenden, westlichen Welt. Der Brite William Crooks, Chemiker, hielt 1898 eine sensationelle Rede zum Bedarf an Stickstoff für die Ernährung der Bevölkerung. Wegweisend dabei war die Erkenntnis, den Stickstoff aus der Luft zu nutzen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Forschung zur Chefsache, weil Deutschland von ausländischen Stickstoffquellen durch die britische Seeblockade abgeschnitten wurde. Es gab also keinen Stickstoff zur Düngung und zu militärischen Zwecken. Mit der technischen Umsetzung des Haber-Bosch-Verfahrens konnte erstmals Stickstoff über die Ammoniaksynthese wirtschaftlich, großindustriell hergestellt werden. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges verbreitete sich die Methode dann weltweit.

Der Stickstoffgradient wurde also mit der fortschreitenden Industrialisierung weitgehend aufgehoben und die Fruchtbarkeit des Ackerlandes in den peripheren Räumen stieg erheblich an, denn Mineraldünger ist in etwa hundertmal transportwürdiger.

Es gibt eine Reihe von Proteinquellen, dazu zählen natürlich Fleisch, Fisch sowie Leguminosen wie Soja oder Bohnen (die den Luftstickstoff nutzen), aber auch Insekten, die großindustriell produziert werden können. Der Vorteil der Insektenproduktion als z.B. Futtermittelquelle zur Fisch- und Fleischproduktion ist darin begründet, dass die Insekten mit Futtermitteln, welche nicht oder nur indirekt in Konkurrenz zur Humanernährung stehen (Reststoffe/ Abfall), gefüttert werden können. Das können Rinder und Schafe übrigens auch, wenn man sie auf der Weide hält (oder sollten dort besser Grashüpfer weiden?). Darüber hinaus haben Insekten eine ernährungsphysiologisch hervorragende Zusammensetzung für Monogastriten und sind selbst extrem gute Futterverwerter bei ihrer eigenen Aufzucht mit Schlachtausbeuten von bis zu 80 Prozent. Damit können sie mit Geflügel konkurrieren. Auch im heute wichtigen Kriterium Treibhausgasemission liegen Insekten unter den klimaschädlichen Ausstößen von heutigen Nutztieren (Rind, Schwein, Geflügel). Eine offene Frage ist dabei, ob das auch noch gilt, sollten Geflügel- oder Schweinerationen mit Insekten ergänz werden, oder ob Insektenprotein direkt der Humanernährung zugeführt werden muss. Das Interesse geht jedenfalls soweit, dass sich sogar Bioverbände mit der Haltungsform rund um die Insekten befassen und ethische Fragen zu Platzangebot und Tötungstechniken diskutiert werden. Es mag absurd klingen, aber auch die Frage ob Insekten Schmerzen empfinden können oder darunter leiden, ist weitestgehend ungeklärt. Allenfalls interessant ist in jedem Fall, dass in vielen Kulturkreisen Insekten zum Nahrungsangebot gehören und dass auch viele Europäer, sogar Vegetarier, Insekten in ihrem persönlichen Speiseplan aufnehmen. Mit den Anfängen kommen die Probleme. Auch Insekten können natürlich Krankheiten bekommen, eine Einzeltierbehandlung, wie in der üblichen Tierhaltung gefordert, ist wohl auszuschließen, auch auf eine Freilandhaltung haben diese ehemaligen Wildtiere keinen Anspruch. Über die Mortalität während der Aufzucht schweigt man sich aus, denn hier ist Kannibalismus kein Problem. Es könnte auch interessant werden, wie die betroffenen Bürger reagieren, sollte die erste Insektenfarm im industriellem Maßstab errichtet werden. Vorbild könnten hierbei die Niederlande sein, denn dort steht die bisher größte Insektenfarm [www.protix.eu] der Welt auf 14.000 m2 inklusive Verarbeitungstrecke für humane Nahrungsmittel, Futtermittel und Dünger. Ob die Beimischung von Insektenproteinen oder -fetten in Nahrungsmittel wohl deklariert werden muss? Aufschlussreich sind in jedem Fall die Preise für Insektenmehl oder ganze Individuen.

Nähere Informationen zur Feldrandlagerung von Festmist finden Sie im Link des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz https://mluk.brandenburg.de/mluk/de/umwelt/wasser/grundwasser-und-wasserversorgung/feldrandlagerung-von-silage-und-festmist/ und im Merkblatt der Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser https://www.lawa.de/documents/lawa-merkblatt-lagerung-festmist-und-silage_1578302310.pdf.

Bertram Kühne

BERLIN, BRANDENBURG

Mobil: +49 (0) 151 19568103
E-Mail: bertram.kuehne@skwp.de

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