Fachberater Berlin, Brandenburg

Bertram Kühne
Brandenburg und Berlin

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Sonnenblumenanbau - nicht gleich wieder abschreiben

Der Erfolg landwirtschaftlicher Betriebe liegt nur noch selten im Geschick des Pflanzenbauers, die großen Unterschiede werden seit einigen Jahren bei der Vermarktung und beim Betriebsmitteleinkauf generiert. Nicht umsonst gab es im Jahr 2022 einen Sturm auf die Sonnenblume, erstmal berichteten Fachzeitschriften lang und breit von der Bestandesführung bis zur Vermarktung über die schöne Sommerfrucht. Die Anbaufläche hat sich von 2021 (38 Tonnen pro Hektar (t/ha)) auf 2022 (85 t/ha) mehr als verdoppelt.

In den letzten 20 Jahren vor 2021 lag die Anbaufläche in aller Regel unter 30 t/ha, das Minimum sogar bei unter 20 t/ha (2014 bis 2018) deutschlandweit.

Das Jahr 2022 war für die Ertragsbildung nicht ideal, dennoch, beim erstmaligen Anbau auf vielen Betrieben wurden auch Fehler gemacht. Diese gilt es im nächsten Jahr nicht zu wiederholen.

Eine tiefe Bodenbearbeitung sollte vor der Zwischenfrucht erfolgen, so kann diese sich ideal entwickeln, im zeitigen Frühjahr (ab 15.02. bei ökologischer Vorrangfläche) muss die Zwischenfrucht dann mit einem minimalen Eingriff in den Boden zerstört werden. Das kann bei nicht abfrierenden Sorten auch chemisch funktionieren, denn das über Winter angesammelte Wasser soll genau dortbleiben wo es ist, im Boden. In Kombination mit Vorsommertrockenheit und heißen Sommern wird jeder Tropfen bis zur Druschreife benötigt.

Die weiteren Wasserfresser müssen nach der Saat möglichst schnell ausgeschaltet werden, Unkraut ist, genau wie bei Mais, der ertragslimitierende Faktor.

Die Sonnenblume ist in der Jugend ähnlich langsam in der Entwicklung und reagiert sensitiv auf einen Konkurrenten. Hier hat die Züchtung vorgesorgt, innerhalb des Genpools gibt es zwei verschiedene, natürliche Herbizidtoleranzen. Auf Standorten mit trockenen Aussaatbedingungen (verminderte Wirksamkeit des VA-Herbizides) sowie spät nachlaufenden Unkräutern bietet sich die Nutzung dieser Technologie an. Auch die Ambrosia-Gebiete in Süd Brandenburg gehören zu diesen Regionen, denn der Pollen des Neophyts ist hochallergen gegenüber einer großen Bevölkerungsgruppe.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit Mais besteht in der züchterischen Vorgabe nur einen Korb zu bilden. Das hat den Vorteil der Uniformität und homogenen Abreife, jedoch hat die Sonnenblume dadurch kaum Kompensationsmöglichkeiten. Die Schönste aller Kulturpflanzen muss daher unbedingt, genau wie Mais, in Einzelkornsaat ausgebracht werden. Je schlechter der Standort, desto kleiner die Saatstärke, hier lohnt sich die teilflächenspezifische Aussaat.

Wer diese Parameter neben einer entzugsorientierten Düngung der Ganzpflanze (nicht nur den Kornertrag kalkulieren) mit Makro- und Mikronährstoffen beherzigt muss nur noch die richtige Reifezeit auswählen. Die Sonnenblume muss noch im September druschreif werden, um auch in kalten Jahren sicher im Altweibersommer geerntet werden zu können. Gerade auf Standorten, auf denen bereits in der Vergangenheit Sonnenblumen kultiviert worden sind, besteht das Risiko von späten Verpilzungen der Köpfe. Sollte dieser Fall durch anhaltende Niederschläge ab Ende September eintreten, so kann die Ernte verloren sein. Idealerweise räumt die Sonnenblume bis Anfang Oktober, auch aus Sicht der Getreidenachfrucht, welche noch zügig in den Boden muss.