Zwischen Trockenheit und Kälte – Das Anbaujahr im Süden und Westen im Rückblick

Das Anbaujahr 2025/2026 ist weit vorangeschritten. Die ackerbaulichen Maßnahmen in Getreide und Raps sind meist zum Abschluss gekommen. Bei den Hackfrüchten und Sonderkulturen laufen sie noch. Bis zum Erntestart wird es noch einige Wochen dauern. Zeit, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Herbst und Winter

Die Raps- und Getreideaussaat im Herbst 2025 lief teils verzögert, aber in vielen Regionen vorteilhaft. Nach einem wechselhaften Sommer schaffte ein goldener Herbst überwiegend ideale Bedingungen für einen guten Auflauf und eine ausreichende Entwicklung der Kulturen. 

Deutlich zu mild und trocken war der Winter 2025/2026. In den Höhenlagen im Süden sank das Thermometer auf Tiefstwerte von - 15 Grad Celsius. Meist blieben die Temperaturen aber darüber.

Das erhebliche Niederschlagsdefizit konnte durch die Februarniederschläge etwas ausgeglichen werden. Es gab zwar keine weiße Weihnacht, aber in Lagen über 400 Metern bildete sich im Februar eine geschlossene Schneedecke über mehrere Wochen aus.

Die Feldfrüchte konnten den gesamten Winterverlauf gut überstehen. Nennenswerte Auswinterungsschäden gab es keine.

Böden und Grundwasser

Von November bis Januar war die Grundwasserneubildung meist rückläufig. Auch die nutzbare Feldkapazität sank regional teils auf 40 Prozent. Die Regenfälle und Schneeschmelze im Februar sorgten hier für Entspannung, so dass der Bodenwasservorrat aufgefüllt und die Grundwasserstände wieder ansteigen konnten. In der Gesamtbilanz blieb es besonders im Süden dennoch bei einem Defizit.

Frühjahr

Eine Frühlingshafte Witterung gab es erstmals ab Ende Februar.

Wo es die Befahrbarkeit zuließ, wurde mit der Ausbringung der ersten Stickstoffgabe begonnen. Insgesamt waren der März und April deutlich zu warm und zu trocken, auch wenn es in den Nächten regelmäßig Minustemperaturen gab. Die Feldfrüchte entwickelten sich aufgrund dessen nur sehr langsam, aber auch stabil. Auf den schweren Standorten stockte teilweise die Entwicklung. Besondere Schwierigkeiten mit dem Wasserüberschuss und den Temperaturgegensätzen hatte die Wintergerste. Vor dem Osterfest sorgte arktische Luft für eine deutliche Abkühlung. In den Nächten sanken besonders im Süden die Tiefsttemperaturen auf bis zu - 6 Grad Celsius. Schäden dadurch gab es vor allem bei Winterraps. Nicht flächig, aber regional und lageabhängig. Tallagen waren besonders betroffen, hier fielen oftmals ein Großteil der Blütenknospen am Haupttrieb aus.

Die richtige Düngestrategie machte einen Unterschied

Mit Beginn der ersten Stickstoffgabe brach der Irankrieg aus. Das Preisniveau für Düngemittel entwickelte sich rasant nach oben. Der Großteil vom Bedarf zur ersten N-Gabe war aber zu diesem Zeitpunkt bereits gekauft. Aus finanzieller Sicht war es wieder die richtige Strategie Ware früh einzukaufen. Ebenso zeigte sich bei der Düngestrategie, dass eine frühe und betonte erste Stickstoffgabe sich positiv auf die Entwicklung der Kulturen auswirkte. Ammoniumstabilisierte Düngesysteme konnten hier besonders punkten.

Sommerungen mussten zuerst frieren

Die Aussaat von Sommergetreide konnte bereits früh im März starten. Die kalten Nächte ließen die Bestände aber nur zögerlich auflaufen. Auf schweren Standorten gab es deshalb regional vereinzelt Ausfälle. Auch die Hackfrüchte konnten unter guten Bedingungen bestellt werden.

Besonders Rübe und Mais mussten bei der Kältephase bis Mitte Mai frieren. Jedoch blieben Nachfröste um die Zeit der Eisheiligen aus, so dass es keine Ausfälle beziehungsweise größere Schäden in den Kulturen gab. Ein abrupter Wechsel von der Kälte in die Wärme gab es dann zu Pfingsten. In den wärmeren Lagen kletterte das Thermometer auf hochsommerliche Temperaturen.

Bestände haben das Potenzial für hohe Erträge

Die aktuellen Bodenwasservorräte sind regional sehr unterschiedlich. Nicht überall gab es Niederschläge in ausreichender Menge. Dementsprechend unterschiedlich ist die Ausgangssituation für die nächsten Wochen. Die Hitzetage Ende Mai setzten den Beständen zu und ließen den Bodenwasservorrat deutlich schrumpfen.

In puncto Bestandesdichte und Fruchtanlagen hat ein Großteil vom Raps und Getreide noch gute Voraussetzungen für ein hohes Ertragspotenzial.

Fazit

Das Anbaujahr 2025/2026 war durch eine insgesamt zu trockene Witterung mit zeitweisen Kältephasen geprägt, verlief jedoch weitgehend ohne gravierende Ausfälle. Winterraps und Getreide weisen überwiegend gut entwickelte Bestände mit stabiler Bestandesdichte und hohem Ertragspotenzial auf. Die eingeschränkte Bodenwasserversorgung bleibt der zentrale limitierende Faktor, insbesondere auf leichteren Standorten. Frühzeitige und betonte Stickstoffgaben – insbesondere in stabilisierter Form – wirkten sich positiv auf die Bestandesentwicklung und N-Effizienz aus. Regionale Frostereignisse führten im Winterraps zu Blütenschäden, während Sommerungen trotz verzögertem Auflauf ohne nennenswerte Spätfrostverluste etabliert werden konnten. Für die weitere Ertragsbildung sind nun die Niederschlagsverteilung sowie die Temperaturentwicklung bis zur Kornfüllung beziehungsweise Abreife entscheidend.