Rote Gebiete, Bedarfsermittlung, Nmin-Probenahme und Bodenfeuchte – den Saisonstart genau im Blick haben

Der mögliche Saisonstart mit dem Ende der Sperrfrist am 1. Februar ist der entscheidende Moment für eine erfolgreiche Stickstoffdüngung. Eine fundierte Planung sichert Ertrag, Qualität und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben – gleichzeitig schützt sie Umwelt und Ressourcen.
Die Regelungen zu nitratbelasteten Gebieten (Rote Gebiete) in Ihrem Bundesland im Blick behalten
In seinem Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht am 24. Oktober 2025 festgestellt, dass die Bayerische Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung unwirksam ist. Damit ist die aktuelle Ausweisung Roter und Gelber Gebiete im Freistaat Bayern aufgehoben, das Verfahren zur Neuausweisung wird gestoppt. Der Bund ist nun gefordert, neue Rechtsgrundlagen für die Neuausweisung zu schaffen. Eine genaue Zeitschiene dazu ist nicht bekannt.
Das Urteil als solches hat zwar nur eine direkte Wirkung für den Freistaat Bayern, da jedoch die Rechtsgrundlage faktisch durch das Urteil aufgehoben wurde, sind alle Bundesländer betroffen. Die einzelnen Bundesländer reagieren allerdings hier bislang sehr unterschiedlich. Zum Teil wurden wie in Bayern die Regelungen für die Roten Gebiete außer Kraft gesetzt (Niedersachsen), zum Teil wurde angekündigt den Vollzug der behördlichen Überwachung hinsichtlich der Einhaltung der Düngeregeln in den Roten Gebieten bis auf Weiteres auszusetzen (Sachsen-Anhalt). In anderen Bundesländern gelten die bisherigen Regelungen für die Roten Gebiete weiter.
Es ist daher wichtig, dass Sie sich bei den Behörden Ihres Bundeslandes vor der Düngeplanung eine entsprechende rechtsverbindliche Auskunft zur Düngung in Roten Gebieten einholen, sofern es Unklarheiten gibt.
Zu beachten gilt außerdem: Alle übrigen Vorgaben der DüV gelten weiterhin!
Nmin-Probenahme – Grundlage für die Düngebedarfsermittlung
Der mineralische Stickstoffgehalt (Nmin) zum Ausgang des Winters und somit vor dem Düngestart spiegelt den Gehalt an pflanzenverfügbarem Ammonium- (NH4-N) und Nitrat-Stickstoff (NO3-N) im Boden wider. Er stellt eine wesentliche Berechnungsgröße der Düngebedarfsermittlung gemäß DüV dar und hat damit maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der mineralischen oder organischen Düngung zur Deckung des Stickstoffbedarfs der Kulturpflanzen.
Wichtige Punkte für eine fachgerechte Probenahme:
- Zeitpunkt: Vor der ersten Düngemaßnahme im Frühjahr
- Tiefe: In der Regel 0 bis 90 cm, aufgeteilt in 0 bis 30, 30 bis 60 und 60 bis 90 cm
- Bewirtschaftungseinheiten: Einheitliche Bodenart und gleiche Vorfrucht pro Einheit
- Dokumentation: Sorgfältige Erfassung für die Düngebedarfsermittlung und mögliche Kontrollen
Das Jahr 2025 gehörte laut Deutschem Wetterdienst zu einem der zehn wärmsten Jahre seit 1881 (Temperaturmittel des Jahres 2025 mit 10,1 Grad um 1,9 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 und 0,8 Grad über der Vergleichsperiode 1991 bis 2020). Der Niederschlag habe 2025 zudem rund 17 Prozent unter dem Schnitt beider Referenzperioden gelegen. Somit ist damit zu rechnen, dass die Nmin-Werte in den relevanten Bodenschichten über den Mittelwerten der vergangenen Jahre liegen. Ein genaueres Bild ergibt sich allerdings erst bei Untersuchungen der Schläge des eigenen Betriebes.
Ein kleiner Tipp: Nmin-Proben nach der Probenahme sofort gut kühlen, so werden Fehlwerte vermieden!
Aktuelle Bodenfeuchtesituation – DWD Bodenfeuchteviewer
Auf vielen Standorten ist ein gut gefüllter Bodenwasservorrat zum Ausgang des Winters die Versicherung oder besser noch der Garant für hohe und stabile Erträge. Hier gilt es vor der Düngesaison 2026 einen besonderen Fokus zu setzen. Die Bodenwasservorräte sind vor allem in vielen Teilen des Ostens bisher nicht vollständig gefüllt.
Hier lohnt sich ein genauerer Blick in den Bodenfeuchteviewer des Deutschen Wetterdienstes, welcher tagesaktuelle Karten zur Bodenfeuchte in Deutschland liefert.
Wichtig ist: Gemäß DüV dürfen stickstoffhaltige Düngemittel nicht ausgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, schneebedeckt oder gefroren ist. Die Handhabung der Düngung bei gefrorenem Boden variiert zwischen den Bundesländern.
Biomassekarten für Raps – jetzt noch Satellitendaten aus dem Herbst nutzen
Satellitengestützte Biomasse- und Vegetationsindexkarten (z. B. NDVI) liefern wertvolle Informationen zur Bestandesentwicklung im Winterraps. Sie zeigen Unterschiede in der Biomasseverteilung eines Schlages und ermöglichen dadurch eine teilflächenspezifische Stickstoffdüngung. Unter Berücksichtigung der im Herbst gebildeten Biomasse können bei der Düngung im Frühjahr Einsparungen der Stickstoffmenge vorgenommen werden. Hier lässt sich bares Geld sparen und die Umwelt wird geschont.
Fazit
Eine erfolgreiche Stickstoffdüngung beginnt mit sorgfältiger Vorbereitung. Die Kombination aus fachgerechter Nmin-Probenahme, Berücksichtigung der aktuellen Bodenfeuchte, sinnvoller Einsatz digitaler Biomassekarten und Einhaltung der rechtlichen Vorgaben bildet die Grundlage für eine effiziente und nachhaltige Düngestrategie zum Saisonstart.
Dabei heißt ammoniumbetont: Risiken minimieren und hohe Erträge sichern.
Die Einbeziehung ammoniumstabilisierter Düngestrategien in die Planung mindert witterungsbedingte Risiken und sichert hohe Erträge und eine gute Dünger-N-Effizienz. Gleichzeitig wird ein substanzieller Beitrag zum Klimaschutz geleistet, denn der Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren bei der Harnstoffdüngung mindert klimaschädliche Lachgasemissionen um durchschnittlich 50 Prozent. Gleichzeitig werden Auswaschungsrisiken minimiert.
Da gerade bei solchen stabilisierten Düngern sowie bei Anwendung von PIADIN® bei der Gülle- oder Gärrestausbringung frühe Düngungstermine ab 1. Februar möglich sind, können die Kulturpflanzen die Feuchtigkeit aus dem Winter optimal nutzen und der Stickstoff bleibt in der Bodenschicht, in der er gebraucht wird.
