Faktoren der Wurzel- und Sprossbildung bei Getreide

Für Getreidepflanzen ist die Wurzel- und Triebbildung das Fundament für ein sicheres Ertragspotenzial. Das Wurzelsystem stellt die Versorgung der Pflanze mit Wasser und Nährstoffen sicher, während die Triebbildung die Anzahl möglicher Ähren bestimmt. Beide Prozesse werden durch unterschiedliche Faktoren wie Witterungsbedingungen, pflanzenbauliche Maßnahmen und Nährstoffverfügbarkeit beeinflusst. Einer der wichtigsten Umweltfaktoren für die Bestandesentwicklung ist die Witterung. Die Triebbildung und die Entwicklung des Wurzelsystems reagieren empfindlich auf äußere Bedingungen wie Temperatur, Strahlung, Bodenfeuchte und Niederschlag.

Temperatur

Die Temperatur ist maßgeblich verantwortlich für die Intensität der Bestockung. Moderate Temperaturen im Herbst wie auch im Frühjahr fördern die Triebbildung der Getreidepflanze, da sie gute Bedingungen für Zellteilung und Photosynthese schaffen. Extreme Temperaturen im niedrigen wie auch im hohen Bereich wirken sich hingegen negativ auf die Bildung von Trieben aus. Auch das Wurzelsystem entwickelt sich im moderaten Temperaturbereich am besten und bildet so eine solide Grundlage für eine bessere Wasser- und Nährstoffaufnahme.

Wasserhaushalt

Der Bodenwassergehalt ist ein weiterer zentraler Punkt für die Wurzel- und Triebbildung. Eine optimale nutzbare Feldkapazität bietet beste Voraussetzungen für die Ausbildung neuer Triebe sowie für das Wachstum der Wurzel. Bei einer knappen Wasserversorgung reduziert die Pflanze die Triebbildung zu Lasten des Wurzelsystems, um Reserven aus tieferen Bodenschichten erschließen zu können. Unter staunassen Bedingungen wird das Wurzelwachstum gehemmt, da die Sauerstoffversorgung nicht mehr ausreicht.

Strahlung

Die Intensität der Sonneneinstrahlung beeinflusst die Photosyntheseleistung und damit die Energieversorgung der Pflanze.  Eine hohe Strahlung wirkt sich positiv auf Bestockung und Bildung von Biomasse wie auch auf das Wurzelwachstum aus. Unter ungünstigen Lichtverhältnissen leidet die Triebbildung wie auch die Wurzelentwicklung, da weniger Assimilate für das Pflanzenwachstum zur Verfügung stehen.

Pflanzenbauliche Maßnahmen

Auch pflanzenbauliche Maßnahmen haben einen Einfluss auf die Entwicklung von Trieben und Wurzeln. Eine frühe Aussaat verschafft den Pflanzen dabei mehr Zeit für ihre Entwicklung. Darüber hinaus kann eine tiefere Ablage des Saatguts die Bestockung fördern, da sich der Bestockungsknoten tiefer im Boden befindet. Ein weiterer wichtiger Faktor für eine optimale Pflanzenentwicklung ist das Vermeiden beziehungsweise Beseitigen von Bodenverdichtungen. Eine lockere und gut durchlüftete Bodenstruktur bietet ideale Bedingungen für ein gutes Wurzelwachstum. Der gezielte Einsatz von Wachstumsreglern trägt nicht nur zur Standfestigkeit der Pflanzen bei, sondern unterstützt auch die Triebbildung und die Stabilität der Wurzeln. Allerdings ist Vorsicht geboten, da Fehlanwendungen auch gegenteilige Effekte hervorrufen können. Das Walzen von Getreide im Frühjahr (Februar bis März) kann die Bestockung fördern. Durch das leichte mechanische Verletzen der Pflanzen entstehen dichtere Bestände und stabilere Halme.

Düngung

Eine ausgewogene Grundnährstoffversorgung fördert das Wurzelwachstum wie auch die Bildung von Trieben. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Stickstoffdüngung zu. Als Hauptmotor des Pflanzenwachstums entscheidet das Stickstoffangebot maßgeblich über Ertrag und Qualität. Hierbei gilt es eine ausgewogene Pflanzenernährung anzustreben. Ein Überangebot wie auch ein Mangel wirken sich negativ auf die Pflanzenentwicklung aus. 

Düngetermin und Düngemenge

Wintergetreide nutzt die kurzen Tage im Winter für die Bestockung und ist für das Schossen und die Blüte auf die langen Tage im Frühjahr und Sommer angewiesen. Die Bestockungsphase endet, sobald die tägliche Lichtdauer eine kritische Schwelle von 12 bis 14 Stunden überschreitet, was in Deutschland meist in der letzten Märzwoche der Fall ist. Dementsprechend hat die Wahl des Düngetermins einen entscheidenden Einfluss auf die Triebbildung. Die frühe Andüngung vor Vegetationsbeginn stellt dabei den größten Hebel der Stickstoffdüngung dar, um die Bestockung gezielt zu beeinflussen. Über eine an die Bestandesentwicklung angepasste Stickstoffmenge lässt sich zusätzlicher Einfluss auf die Triebbildung nehmen:

  • Schwache Bestände werden durch betonte Gaben vor Vegetationsbeginn gefördert.
  • Kräftige Bestände sollten hingegen zurückhaltend und erst zu Vegetationsbeginn angedüngt werden.

Stickstoffform

Auxin ist ein essenzielles Pflanzenhormon, das einen maßgeblichen Einfluss auf das Wurzelwachstum hat. Ammoniumstickstoff fördert gezielt die Bildung von Seitenwurzeln, indem er das Auxin-Signal im Wurzelbereich erhöht. Cytokinin wirkt dabei als Gegenspieler zu Auxin. Nitratstickstoff unterstützt die Bildung dieses Pflanzenhormons, das unter anderem die Entwicklung von Nebentrieben anregt. Ein ausgeglichenes Verhältnis beider Hormone bildet die Grundlage für ein gesundes Pflanzenwachstum, da sie als Gegenspieler zahlreiche Wachstumsprozesse steuern. Entsprechend schafft ein ausgewogenes Verhältnis von Ammonium- und Nitratstickstoff im Wurzelraum die Basis dafür. Um dies zu erreichen, ist bei der traditionellen Düngung eine Aufteilung der Gesamtstickstoffmenge in mehrere Gaben sowie in der jeweils passenden Höhe erforderlich. Bei ammoniumstabilisierten Düngern wie ALZON® neo-N erlaubt die gezielte Steuerung des Stickstoffumsatzes eine Zusammenfassung von Teilgaben. Erreicht wird dies durch den Einsatz eines Nitrifikationshemmers, der die Umwandlung von Ammonium zu Nitrat verlangsamt und dadurch eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen mit Ammonium- und Nitratstickstoff sicherstellt.

Fazit

Die Wurzel- und Triebbildung von Getreide wird von Witterung, Bodenbedingungen, Bewirtschaftung und Nährstoffversorgung beeinflusst. Moderate Temperaturen, ausreichende Feuchtigkeit und gute Lichtverhältnisse fördern das Wachstum, während Stressfaktoren hemmend wirken. Durch gezielte ackerbauliche Maßnahmen lassen sich Bestockung und Wurzelentwicklung steuern und damit das Ertragspotenzial optimieren. Eine angepasste Stickstoffversorgung, insbesondere über den zentralen Stellhebel des Düngetermins, stellt dabei einen wichtigen Baustein dar.