Den Mais sicher ins Silo bringen: Darauf kommts 2026 besonders an

In einigen Regionen Deutschlands ist die Silomaisernte 2026 bereits dürrebedingt abgeschlossen, in den meisten Regionen steht die Ernte noch kurz bevor. Umso wichtiger ist es, die Ernte nicht nur zum richtigen Zeitpunkt zu starten, sondern auch Logistik, Häckselqualität, Verdichtung und Abdeckung konsequent aufeinander abzustimmen. Schon kleine Schwachstellen können später zu Nacherwärmung, Schimmelbildung und wertvollen Energie- und Trockenmasseverlusten führen.
Für eine erfolgreiche Silierung gilt deshalb: Nicht allein der Erntezeitpunkt entscheidet über die Qualität – das gesamte Siliermanagement muss stimmen.
1. Der richtige Erntezeitpunkt ist entscheidend
Der optimale Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Stärkeeinlagerung im Korn weitgehend abgeschlossen ist. Als Orientierung gilt für die Gesamtpflanze ein Trockenmassegehalt von etwa 28 bis 35 %. Im Korn sollte der TM-Gehalt bei ungefähr 56 bis 60 % liegen. Zu feuchtes Erntegut kann die Gärung und die Lagerstabilität beeinträchtigen. Ist der Bestand dagegen bereits zu trocken, wird eine ausreichende Verdichtung schwieriger. Außerdem steigt das Risiko, dass Sauerstoff im Silostock verbleibt und später Nacherwärmung verursacht. Für die Einschätzung des Erntezeitpunkts ist eine Frischmaisprobe ratsam um den optimalen Erntetermin genauer einzugrenzen. Auch die Maiszüchter halten hier für die Einzelregionen Erntemonitoring Übersichten bereit.

2. Schon vor der Ernte: Logistik planen
Wenn der Häcksler einmal im Feld steht, muss die gesamte Kette funktionieren. Deshalb:
Die Kapazität von Häcksler, Transport und Silo muss zusammenpassen. Ein leistungsstarker Häcksler bringt wenig, wenn das Erntegut anschließend auf dem Feld oder vor dem Silo steht. Umgekehrt kann eine zu geringe Häckslerleistung dazu führen, dass die Befüllung unnötig lange dauert.
Bei heutigen Häckslerleistungen sollte ein Fahrsilo möglichst mindestens 7 Meter breit und etwa 40 Meter lang sein. So können zwei Fahrzeuge parallel verteilen und walzen. Bei sehr hoher Häckslerleistung und kleineren Silos kann es sinnvoll sein, zwei Silokammern gleichzeitig zu befüllen. Dadurch lassen sich die Schichtdicken reduzieren und die Verdichtung verbessern. Ein zweites Walzfahrzeug kann sich in diesem Fall schnell bezahlt machen.
Rechenbeispiel aus der Praxis:
Leistet ein Häcksler beispielsweise 2 Hektar pro Stunde und werden 65 Dezitonnen Frischmasse je Hektar geerntet, gelangen rund 130 Dezitonnen Frischmasse pro Stunde zum Silo. Bei einem TM-Gehalt von 33 % entspricht das etwa 43 Tonnen Trockenmasse pro Stunde.
Diese Leistung stellt bereits hohe Anforderungen an die Verdichtung. Ein einzelnes Walzfahrzeug kann die anfallende Menge unter diesen Bedingungen kaum optimal verdichten.
Als Faustformel gilt:
Walzgewicht in t = Bergeleistung in t FM pro Stunde / 4
Die zu erreichende Verdichtung (kg TM pro m³) wird mit folgender Faustformel überschlagen:
(8 x TM(%)) + 6
Bei 35 % TS ergibt dies 286 kg TM/m³.
Merke: Die Walzkapazität muss zur tatsächlichen Bergeleistung passen – nicht zur Größe des Traktors, der gerade verfügbar ist.
3. Schnelles Befüllen, dünne Schichten
Während der Silobefüllung zählt vor allem eines: zügig arbeiten, aber trotzdem sauber verteilen und ausreichend verdichten.
Das Erntegut sollte in möglichst gleichmäßigen, dünnen Schichten eingebaut werden. Als Richtwert gelten 20 bis maximal 30 Zentimeter. Werden die Schichten dicker, reicht die Verdichtungswirkung des Walzfahrzeugs nicht mehr bis in die unteren Bereiche.
Bei geringem Aufstandsgewicht kann eine noch geringere Schichtdicke erforderlich sein. Dosierwalzen und Siloverteiler helfen dabei, das Häckselgut gleichmäßig einzubauen.
Die Walzgeschwindigkeit sollte etwa 2,5 bis maximal 4 km/h betragen. Mehrere Überfahrten pro Schicht sind wichtiger als möglichst schnelles Fahren. Eine zu hohe Geschwindigkeit reduziert die effektive Verdichtungsleistung.
4. Schnitthöhe und Häcksellänge richtig einstellen
Nicht nur der TM-Gehalt beeinflusst die Silagequalität. Auch die Schnitthöhe spielt eine wichtige Rolle.
Für eine hygienisch hochwertige Maissilage empfiehlt sich eine Schnitthöhe von mindestens 30 Zentimetern. Die unteren Stängelbereiche können stärker mit Hefen und Schimmelpilzen belastet sein. Gleichzeitig steigen dort Rohfaser- und Aschegehalte, während der Energiegehalt sinkt.
Auch bei der Häcksellänge gilt es, den Kompromiss zwischen Strukturwirkung und Verdichtbarkeit zu treffen. Als Orientierung gelten 4 bis 8 mm. Je trockener das Siliergut, desto wichtiger ist eine entsprechend kürzere Häcksellänge, damit sich das Material noch ausreichend verdichten lässt.
Eine gut eingestellte Häcksellänge verbessert gleichzeitig die Ausnutzung des verfügbaren Siloraums und trägt dazu bei, Verluste zu reduzieren.
5. Verdichtung entscheidet über die Lagerstabilität
Sauerstoff ist einer der größten Feinde einer stabilen Silage. Wo Luft im Silostock verbleibt, können unerwünschte Mikroorganismen aktiv werden. Die Folge können Nacherwärmung, Schimmel und erhebliche Energie- und Trockenmasseverluste sein.
Bei Maissilage sollte deshalb eine Lagerdichte von mindestens etwa 230 kg TM/m³ angestrebt werden.
Das bedeutet für die Praxis: Bei hoher Häckslerleistung sollte nicht versucht werden, die gesamte Menge mit einem einzigen Walzschlepper zu bewältigen. Mehr Walzkapazität und gegebenenfalls zwei parallel befüllte Silos sind häufig die bessere Lösung.
6. Silo nicht unnötig überfüllen
Ein Silo sollte so befüllt werden, dass es anschließend problemlos verdichtet und luftdicht abgedeckt werden kann. Eine Überfüllung erschwert insbesondere an den Seitenwänden das saubere Festfahren und Abdecken.
Auch die spätere Entnahme kann zum Problem werden. Ist der Silostock zu hoch oder zu groß dimensioniert, reicht der tägliche Vorschub unter Umständen nicht aus. Das wiederum kann die Gefahr von Nacherwärmung erhöhen.
Deshalb gilt: Lieber die verfügbare Silofläche sinnvoll planen als möglichst viel Material auf möglichst wenig Fläche unterzubringen.
7. Nach dem Walzen sofort luftdicht verschließen
Nach Abschluss der Befüllung und des Walzens darf keine unnötige Zeit verstreichen. Das Silo sollte sofort luftdicht verschlossen werden. Idealerweise dauert die gesamte Befüllung nicht länger als 24 Stunden; 48 Stunden sollten keinesfalls überschritten werden.
Bei längeren Silierpausen, beispielsweise über Nacht, sollte das Silo zumindest mit einer Unterziehfolie abgedeckt und gegen Wind gesichert werden.
Beim endgültigen Abdecken hat sich ein mehrschichtiger Aufbau bewährt: Unterziehfolie, gasdichte Hauptfolie, Seitenwandfolie bei entsprechenden Siloanlagen sowie ein Schutz- und Beschwerungssystem aus Siloschutzgitter und Silosäcken.
Bei der Auswahl der Folie sollte nicht ausschließlich auf die Folienstärke geachtet werden. Gasdichtheit, Dehnfähigkeit sowie UV- und Säurebeständigkeit sind ebenfalls wichtige Qualitätsmerkmale.
Die wichtigsten Tipps für 2026
Nicht nur auf die Gesamt-TM schauen
Bei Trockenstress kann die Restpflanze durch Wasserverlust bereits sehr trocken sein, obwohl die Stärkeeinlagerung im Korn noch nicht abgeschlossen ist. Entscheidend ist deshalb die Kombination aus TM-Gehalt, Kornentwicklung und Anteil grüner Blätter. Solange der Kolben noch aktiv Stärke einlagert und ausreichend grüne Blattmasse vorhanden ist, kann ein weiteres Abwarten sinnvoll sein. Ist die Pflanze dagegen weitgehend abgestorben, verschlechtert weiteres Warten vor allem die Verdichtbarkeit.
Bei sehr trockenem Mais: Häcksellänge reduzieren
Hier liegt einer der wichtigsten Hebel. Je trockener das Material, desto kürzer sollte gehäckselt werden, damit es sich noch ausreichend verdichten lässt. Die LfL empfiehlt bei über 37 % TM etwa 5 mm Häcksellänge.
Das ist gerade bei trockenen Beständen entscheidend: Lange Partikel bilden Hohlräume, die sich mit einem normalen Walzvorgang nur schwer schließen lassen.
Schichten noch konsequenter dünn halten
Trockener Mais braucht eine besonders sorgfältige Verdichtung. Bei sehr trockenem Material und geringerem Aufstandsgewicht kann es sinnvoll sein, noch dünnere Schichten zu fahren.
Silo nicht unnötig lange offen lassen
Trockene Maissilagen sind aufgrund ihrer geringeren Verdichtbarkeit besonders gefährdet, nach der Öffnung Sauerstoff aufzunehmen und sich zu erwärmen. Die LfL empfiehlt deshalb bei trockenheitsgeschädigtem Mais besondere Aufmerksamkeit auf die aerobe Stabilität zu legen und gegebenenfalls ein DLG-geprüftes Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 einzusetzen.
Außerdem sollte die Silage ausreichend lange geschlossen bleiben. Die LfL Bayern nennt sechs bis acht Wochen, damit sich die Gärung ausreichend entwickeln kann.
Bei stark geschädigten Beständen nicht auf „perfekte“ Reife warten
Wenn kaum noch grüne Blattmasse vorhanden ist und der Kolben nur noch wenig Entwicklungspotenzial besitzt, kann weiteres Warten die Situation verschlechtern. Die Restpflanze trocknet weiter aus und wird immer schwieriger zu verdichten.
Gerade bei solchen Beständen lautet die entscheidende Frage daher nicht: „Ist der Mais schon reif?“, sondern: „Kann die Pflanze noch nennenswert Stärke und Ertrag bilden?“
Ernte 2026: Bei trockenem Mais Prioritäten setzen
Bestand kontrollieren → Kornentwicklung beurteilen → TM messen → Erntetermin festlegen → Häcksellänge anpassen → ausreichend Walzleistung bereitstellen → dünne Schichten → sofort luftdicht abdecken.
Und besonders wichtig: Nicht versuchen, einen zu trockenen Bestand durch besonders langes Warten „fertig reifen“ zu lassen. Wenn die Pflanze keine relevante Kornfüllung mehr leisten kann, steigt mit jedem weiteren Trocknungstag das Risiko einer schlecht verdichtbaren und damit instabilen Silage.
Ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt: Bei der Silierung stark trockenheitsgeschädigter Maisbestände können nitrose Gase entstehen. Diese sind hochgefährlich; während der Gärung darf der Bereich um das Silo daher keinesfalls unbedacht betreten werden.
