Nach der Ernte, ist vor der Aussaat
Rückblickend liegen die Erträge wohl flächendeckend unter dem Mittel der letzten Jahre. Besonders negativ fallen leider oft die Rapsergebnisse aus. Hier kommen einige Faktoren über die Vegetationsperiode zusammen, welche für die niedrigen Erträge verantwortlich sind. Die drei Hauptgründe sind die Spätfröste zur Blüte, ein hohes Aufkommen der Kohlschotenmücke und die extreme Hitzeperiode Ende Juni, welche für eine Notreife gesorgt hat.
Letztere hat auch im Weizen für deutlich geringere Erträge gesorgt. Hinzu kommen im Weizen die teils sehr schwankenden Qualitätsparameter. Besonders zu kämpfen haben hier die Hektorlitergewichte. Das Hektolitergewicht ist ein wichtiger Indikator für die Kornausbildung, welche durch die Temperaturen um 40 Grad Celsius Ende Juni sehr schlecht ausgefallen ist.
Einzig die Gerste liegt in den meisten Regionen im langjährigen Mittel oder leicht darüber. Da die Gerste die früheste Kultur ist, war diese von der Hitzewelle nicht so stark betroffen.
Organische Düngung im Herbst?
Im Zuge der anstehenden Aussaat von Winterraps kommt vielerorts die Frage auf, ob eine organische Herbstdüngung sinnvoll ist. Im Vergleich zu anderen Winterungen nimmt Winterraps von der Saat bis zur Vegetationsruhe reichlich Stickstoff auf. Bei eintretender Vegetationsruhe besitzen gesunde Rapsbestände acht bis zwölf Blätter mit einer Frischmasse von 1,0 bis 1,5 kg/m². Der N-Bedarf solcher Bestände liegt im Durchschnitt bei 50 bis 75 kg N/ha.

Bei der Entscheidungsfindung “Herbstdüngung – ja oder nein“ sprechen folgende Faktoren für einen erhöhten N-Bedarf:
- Es wurden sehr große Strohmengen zuvor eingearbeitet. Dadurch entsteht ein weites C zu N Verhältnis, wodurch der Stickstoff gebunden wird und für die Rapspflanze nicht mehr zur Verfügung steht.
- Die Saat erfolgte verhältnismäßig spät zum Beispiel nach der Vorfrucht Weizen.
- Es ist mit einer geringen N-Nachlieferung zu rechnen, beispielswiese auf tonhaltigen, kalten Böden oder bei einer Mulchsaat.
- Der Rapsbestand ist bisher eher schwach entwickelt.
- Es sind erhebliche Schäden durch den Befall von Rapserdfloh, Schnecken oder Mehltau aufgetreten.
- Bei der Herbizidmaßnahme kam es zu Wuchshemmungen.
- Die Rapspflanzen zeigen folgende Symptome im September auf: weniger als vier Laubblätter; Wurzelhalsdurchmesser geringer als vier Millimeter; rot-violette Färbung.
Eignen sich Gülle und Gärreste zur Herbstdüngung im Raps?
Wenn einer der zuvor genannten Punkte zutrifft, kann eine Herbstdüngung auch organisch erfolgen. Dabei ist die Düngeverordnung (DüV) zu beachten. Bei Vorfrüchten wie Gemüse, Kartoffeln und Leguminosen ist eine Herbstdüngung nicht zulässig. Sollte dies nicht der Fall sein, ist eine organische Düngung möglich. In organischen Düngern wie beispielsweise Gülle ist Ammonium-N sofort pflanzenverfügbar. Laut DüV dürfen davon im Herbst maximal 30 kg pro Hektar gedüngt werden. Für eine Gabe von 30 kg Ammonium-N bieten sich 25 m³ Rindergülle oder 15 bis 20 m³ Schweinegülle an. Diese N-Gabe ist im Rahmen der Düngebedarfsermittlung (DBE) ausgangs Winter mit 60 bzw. 70 Prozent des Gesamt-N-Gehaltes anzurechnen, je nachdem ob Rinder- oder Schweinegülle eingesetzt wurde. Der Vorteil von organischen Düngemitteln ist, dass neben Stickstoff auch Phosphor, Kalium und einige Mikronährstoffe mit ausgebracht werden. Außerdem tragen Wirtschaftsdünger zur Verbesserung der Struktur und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens bei und fördern das Bodenleben.
In jedem Fall sollte dabei auf ammoniumstabilisierte Dünger zurückgegriffen werden, da diese eine bedarfsgerechte N-Aufnahme und den Schutz vor klimaschädlichen Lachgasemissionen oder grundwassergefährdenden Nitratausträgen gleichermaßen gewährleisten.
Meine Empfehlung: Bei einer organischen Düngung zu Raps ist eine Zugabe von fünf Liter PIADIN® pro Hektar ratsam. Dies schmälert das Verlustrisiko als auch die Gefahr einer unkontrollierten N-Versorgung. Jugendentwicklung und Wurzelbildung werden dank ammoniumbetonter N-Bereitstellung optimal gefördert und ein Überwachsen der Bestände wird verhindert.


