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Pflanzenbau zum Anfassen – die ZFA der Michelsenschule überprüft ihre erlernten Fähigkeiten bei der Ausrichtung eines Feldtages für Landwirte der Region

Der Leitspruch „Wie die Saat, so die Ernte.“ unseres Schulgründers Konrad Michelsens prägt auch noch in Zeiten der Digitalisierung das Unterrichts-geschehen in der Fachschule. Was nützen uns die Algorithmen, wenn trotz der Abbildung theoretischer Aspekte die Boden- und Witterungsbedingungen nicht immer in Gänze erfasst werden können.

Es liegt daher auf der Hand, dass Landwirte ihre Produktionsstrategien zwar planen können, aber stets eine Anpassung an die aktuelle Situation auf dem Feld zu erfolgen hat. Erfolgsstrategien sollen dadurch ausgebaut und falsche Entscheidungen durch Hinterfragen der Zusammenhänge für die Zukunft minimiert werden. Um dieses zu erreichen, stehen Besichtigungen von Schüler-, Lehrer-, Branchen- und Industriebetrieben in regelmäßigen Abständen auf dem Unterrichtsplan.

So knüpfte auch die Schülerschaft der beiden ZFA-Klassen 17/18 an die Ergebnisse eines auf dem Betrieb Niemeyer durchgeführten Praxisversuches der Ernte 2017 an, um zusammen mit der Firma SKW Piesteritz, die Fragestellungen des Praxisversuches in einem sogenannten Exaktversuch zu konkretisieren.

Die Ernteergebnisse (siehe VAH-Bericht 2017) waren schnell ausgewertet: „107 dt/ha sind besser als 105 dt/ha !“ Doch so einfach war es wiederum auch nicht. Fragen wie:

  • „Sind die Düngetermine, die Düngemengen und die Düngerformen überhaupt miteinander zu vergleichen?“,
  • „Welche Rolle spielte dabei der Boden und die Witterung?“ und
  • „Waren die Bodenbedingungen auf der gedroschenen Fläche überhaupt vergleichbar?“

... prägen ein wenig die Unsicherheit in der Interpretation der Ergebnisse.

Die Deutung der Zusammenhänge hat uns daher im Unterricht über ein halbes Jahr immer wieder beschäftigt. In Folge dessen planten wir gemeinsam mit der SKW Piesteritz die Versuchsfrage noch weiter zu spezifizieren, und am gleichen Standort einen Exaktversuch im Winterweizen und im Winterraps auf die Beine zu stellen. Schnell war auch die Idee geboren, einen regionalen Feldtag für die Landwirtschaft der Region zu veranstalten. Durch diese Möglichkeit konnten die Michelsenschüler unter Beweis stellen, dass die theoretischen Zusammenhänge des Unterrichts im Feld auch abgeprüft werden und sie gestandene Landwirte dazu animieren können, die eigene Produktionstechnik über Ausprobieren verschiedener Varianten zu optimieren.

Der damit einhergehende Arbeitsaufwand war für die ZFA nur ansatzweise erkennbar: schließlich war der Standort gesetzt und die Hauptfrage nach dem Leistungsvermögen stabilisierter Düngersysteme auch nicht diskutierbar. 2020 darf laut Verordnung kein Harnstoff mehr ohne Stabilisierung großflächig und ohne Einarbeitung gestreut werden. Die Devise muss also lauten, Produktionstechniken für den eigenen Standort so frühzeitig wie möglich zu entwickeln.

Zur Vorbereitung des Feldtages wurden im Unterricht mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die am Ende alle die Diskussion um den optimalen Düngereinsatz befeuern sollten. Schließlich präsentieren sich die Bestände an so einem Feldtag in der Regel nur mit einem theoretischen Ernteertrag und die Mähdrescher stehen zu diesem Zeitpunkt noch mindestens 8 Wochen in der Scheune.

Zu den Themen gehörte u.a. auch die Bodenentstehung und das langfristige Bodenbearbeitungssystem des Betriebes. In der Praxis zeigte sich bei den zahlreichen Feldbegehungen im Vorfeld, dass die Mulchsaat mit intensiver Tiefenlockerung den Pflanzen einen guten Wurzelstandraum mit hohem Wasser- und Nährstoffhaltevermögen offerierte. Die Regenwurmaktivität war noch bis weit in den Unterboden zu beobachten. Die Schüler konnten dieses sehr schön an einem begehbaren Bodenprofil im Raps darstellen.

Im Frühjahr wurden die Nmin-Vorräte des Bodens im Raps mit 23 kg/ha und im Weizen mit 28 kg/ha ermittelt, so dass sich nach neuer Düngeverordnung bei zu erwartendem Ertragsniveau noch ein mineralischer Düngebedarf in Höhe von 180 kg N/ha beim Raps und 215 kg N/ha beim Weizen ergab. Diese Düngermengen wurden nun in Absprache mit dem regionalen Düngeberater der SKW Piesteritz in ein vergleichbares Versuchssystem von Düngerformen und entsprechenden Mengenverteilungen gebracht.

Welche Unterschiede bestehen zwischen Praxis- und Exaktversuchen auf Praxisschlägen und welche Vor- und Nachteile beinhalten die jeweiligen Systeme, mit diesem Fragenkomplex hatte sich eine weitere Gruppe zu beschäftigen. Wenn Landwirte von Fahrgasse zu Fahrgasse ihre Strategien überdenken, dann entstehen oft Ertragsunterschiede, die aufgrund von nicht gleichmäßigen Bodenbedingungen eigentlich nur Tendenzaussagen haben dürften. Eine Überprüfung durch einen Exaktversuch mit mehrfacher Wiederholung in unterschiedlichen Reihenfolgen kann die zuvor erhaltene Tendenzaussage nun statistisch absichern. Gerade für Schüler, aber auch für viele Praktiker fällt es dann oft schwer zu akzeptieren, dass ein Ertragsunterschied von 2,5 dt/ha keine der betrachteten Varianten zum Sieger küren kann, weil eine hohe Grenzdifferenz alle Varianten gleichstark bewertet. Auch in einem Exaktversuch muss man die Aussage treffen, dass ein Jahr eigentlich zu einer richtigen Variantenbeurteilung zu wenig ist.

Gerade im Hinblick auf die Witterungsextreme der Jahre 2017 und 2018 ist diese Aussage auch verständlich. Während 2017 bereits ab Juli Feuchtigkeitsprobleme bei der Befahrbarkeit auftraten, waren diese in 2018 nicht zu beobachten. Am Versuchsstandort sind im Jahresverlauf lediglich 55% der sonst üblichen 700 mm Niederschlag gefallen. In Folge dessen ging der durchschnittliche Jahresertrag beim Winterweizen von 95 auf 73 dt/ha zurück.

An einer weiteren Station wurden die Unterschiede von Düngerqualitäten und ihre möglichen Auswirkungen auf die Pflanzenversorgung diskutiert. Selbst im Lager können noch schädliche Veränderungen am Dünger auftreten, die am Ende zu Streufehlern und gegebenenfalls zu Mindererträgen führen. Sehr anschaulich war diesbezüglich auch die Anwendung unterschiedlicher flüssiger Düngerqualitäten.

Die Diskussionsfreudigkeit und die fachliche Verwurzelung der Schüler mit den Themen war aus Lehrersicht eine Augenweide. Die Schüler werteten die Möglichkeit, die Theorie intensiv mit der Praxis verknüpfen zu können, nicht als Abwechselung sondern auch als zwingend notwendiger Unterrichtsbestandteil für die Zukunft. Zudem waren auch gestandene Landwirte oder Handelsvertreter der Region hoch zufrieden, weil bestimmte theoretische Aspekte durch die Diskussionen während der Präsentationsphase die eigene Produktionstechnik immer wieder hinterfragen konnte.

Die Versuche präsentierten sich am 29. Mai recht vielversprechend, wenngleich die sengende Vormittagssonne des Tages in einer bereits seit Mitte April anhaltenden Dürreperiode vielen Besuchern auch klarmachte, dass in diesem Jahr die zu erwartenden Ernteerträge mit jedem weiteren Tag über 25°C massiv reduzieren würden. Damit würden natürlich auch die Aussagen zu etwaigem Versuchsergebnissen einen gewissen Teil ihrer durchschnittlichen Allgemeingültigkeit verlieren.

Der Versuch war im Weizen grundsätzlich so aufgebaut, dass gegenüber einer Null-Variante, die zuvor empfohlene Düngermenge in Form von Harnstoff, ureasestabilisiertem Harnstoff, urease- und ammoniumstabilisierten Harnstoff sowie als Kalkammonsalpeter gegeben wurde. Gerade in einem trockenen Jahr ist natürlich die Verteilung und der Termin von übergeordneter Bedeutung. Um eine umweltverträgliche Wirkungseffizienz der eingesetzten Düngemittel zu erreichen, sind aufbauend auf diesen Versuch weitere Variationen des Termins und der Gabenhöhe nötig, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können.

Die Stabilisierung von Stickstoff kommt so nach und nach in der Praxis an. Die Idee der Stabilisierung ist auch einleuchtend. Doch oft konnte die optimale Strategie noch nicht für jeden Standort oder die entsprechende Arbeitsorganisation gefunden werden. Das Extremjahr 2018 ist deswegen nicht fehlzuinterpretieren.

Bis Mitte Februar waren die Böden voll wassergesättigt und durch den extrem nassen Herbst blieb die Wurzelentwicklung gegenüber normalen Jahren etwas zurück. In der Konsequenz hätten also frühe Düngergaben die Wurzelentwicklung und damit den noch im Prozess befindlichen Ertragsaufbau fördern können. Die in der Praxis befindliche Großtechnik kann dann im Regelfall reagieren, die für Feldversuche vorhandene Technik war leider zu Vegetationsbeginn am Standort noch nicht einsatzbereit. Als sie es dann war, machte das Wetter mit entsprechenden Schneefällen einen Strich durch die Rechnung. So verzögerte sich die Startdüngung der Versuchsparzellen bis zum 26. März. Im Hinblick auf den Einsatz eines  stabilisierten Düngers war das allerdings wohl zu spät.

Im Vegetationsverlauf wurden die Versuche mehrfach besichtigt und in ihrem Habitus beurteilt. Eine zusätzliche Untersuchung über den N-Tester (indirekte Stickstoffmessung im Blatt) kam zu keinen nennenswerten Unterschieden, die sich nicht erklären ließen, zumal die stabilisierten Düngemittel die Pflanze auch eher in eine ammoniumbetonte Ernährung drängen und damit weniger Nitrat in den Blättern zu finden wäre.

Leider setzten sich die Witterungsextreme, speziell die Trockenheit, fort. Bis Ende Mai gab es keinen nennenswerten Regen, dafür reihte sich Sommertag an Sommertag. Die Verfügbarkeit des Versuchsdüngerstreuers führte schließlich dazu, dass die letzte Düngegabe erst Ende Mai durchgeführt wurde, Gott sei Dank aber gepaart mit 20mm Niederschlag. Die Verzögerung der Düngung im Versuch war durchaus auch ein Bild, welches in der Praxis oft zu finden war.

Betrachtet man nun die Ergebnisse des Exaktversuchs im Winterweizen, so muss man einiges zunächst vorweg anmerken. Ein Exaktversuch hat durch seine Lage mitten im Feld weder Vorgewendeflächenanteile, Randflächenanteile und Fahrgassenflächenanteile. Die Parzellen sind mindestens vierfach wiederholt und sind randominisiert, d.h. sie haben immer eine andere Reihenfolge und gleichen damit Einflüsse von Nachbarflächen oder Bodenunterschiede aus. Ihre Größe liegt etwa bei 15-40 m². Das Ertragsniveau dieser Flächen liegt umgerechnet auf eine Praxisfläche i.d.R. 10-20% höher.

Ohne mineralische Düngung wurden am Standort 54,1 dt/ha geerntet, das entspricht relativ 55 % der Harnstoffvariante. Die beiden stabilisierten Varianten (einfach bzw. zweifach stabilisiert) konnten relativ mit plus minus 1%-Punkt bezogen auf die mit Harnstoff gedüngte Variante mithalten. Die mitlaufende KAS-Variante konnte noch einmal 1%-Punkt mehr erreichen. Auf Grundlage der statistischen Verrechnungen ergab der Signifikanztest zwischen den gedüngten Varianten keine Absicherung, da die sogenannte Grenzdifferenz von 5% einen Wert von 3,9%-Punkte ergab. Das bedeutet, dass durch Herausrechnung der größten Abweichungen im Versuch erst ein abgesicherter Unterschied im Ertrag existiert, wenn der Abstand von einer zur anderen Variante 3,8 dt/ha entspricht.

Der Versuch konnte in diesem extrem trockenen Jahr also nur verdeutlichen, dass eine mineralische Düngung auch unter diesen Bedingungen anzuraten ist. Wir können also nur die Tendenzaussagen des letzten Jahres mitnehmen bzw. erneuern und auf Praxisschlägen mal in unsere Strategien versuchsweise einzubauen, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Echte abgesicherte Konkretisierungen können wohl nur durch weitere Exaktversuche, in hoffentlich wieder normalen Jahren, gesammelt werden.

Festzuhalten bleibt aber auch, dass unsere angehenden Betriebsleiter ein großes Maß an Wissensdurst und Ideenreichtum mitgebracht haben, so dass man sicherlich von ihren schulisch angestoßenen und selbst weiterentwickelten Produktionsstrategien zukünftig noch einiges hören wird.

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