Blick auf die Felder

Weiterhin herrscht Vegetationsruhe im gesamten Beratungsgebiet.

Im Süden regnet es bei positiven Temperaturen und im Norden zeigt sich eine Winterlandschaft mit mindestens 20 cm Schnee.

Schwefel – ein Schlüsselbaustein moderner Pflanzenernährung

Schwefel ist ein essenzieller Pflanzennährstoff, dessen Bedeutung lange unterschätzt wurde. Er steht in enger Wechselwirkung mit dem Stickstoffhaushalt von Pflanze und Boden und beeinflusst maßgeblich die Effizienz der Stickstoffaufnahme sowie die Umsetzung in Ertrag und Qualität. Während landwirtschaftliche Flächen früher durch industrielle Emissionen ausreichend mit Schwefel versorgt wurden, sind die atmosphärischen Einträge infolge konsequenter Luftreinhaltemaßnahmen seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen. Heute liegen sie vielerorts unter 10 kg S/ha und Jahr, wodurch Schwefel in vielen Regionen zum Mangelnährstoff geworden ist.

Die Bedeutung von Schwefel zeigt sich besonders deutlich in seiner physiologischen Funktion. Er ist Bestandteil der Aminosäuren Cystein und Methionin und damit unverzichtbar für die Proteinsynthese. Zudem spielt Schwefel eine zentrale Rolle bei der Bildung von Enzymen, Vitaminen und Antioxidantien. In Raps und anderen Kreuzblütlern ist er außerdem Bestandteil der Glucosinolate, die sowohl die Pflanzengesundheit als auch die Produktqualität beeinflussen. Für einen effizienten Eiweißaufbau ist ein ausgewogenes Stickstoff-Schwefel-Verhältnis erforderlich; ein Schwefelmangel kann die Aufnahme und Verwertung von Stickstoff erheblich einschränken. Bereits ein Kilogramm fehlender Schwefel kann die Nutzung von bis zu zehn Kilogramm Stickstoff verhindern.

Im Getreideanbau wirkt sich Schwefelmangel vor allem negativ auf den Rohproteingehalt und die Backqualität aus. Feldversuche zeigen, dass eine kombinierte Stickstoff- und Schwefeldüngung Ertragssicherheit sowie Proteinqualität verbessert. Winterweizen reagiert dabei besonders sensibel. Raps hat aufgrund seines hohen Proteingehalts und der intensiven Stoffwechselaktivität einen deutlich höheren Schwefelbedarf als Getreide. Eine unzureichende Versorgung führt hier schnell zu Ertrags- und Qualitätsverlusten sowie zu einer verminderten Stickstoffeffizienz.

Auch in Sonderkulturen wie Gemüse gewinnt Schwefel zunehmend an Bedeutung. Kohlarten, Zwiebeln, Lauch oder Knoblauch weisen einen hohen Schwefelbedarf auf. Neben Ertrag und Qualität beeinflusst Schwefel Geschmack, Lagerfähigkeit und die Bildung sekundärer Inhaltsstoffe. In intensiven Anbausystemen ist eine gezielte Schwefeldüngung daher unverzichtbar.

Im Boden liegt Schwefel in organischer und anorganischer Form vor. Pflanzen können ihn ausschließlich als Sulfat aufnehmen, das sehr wasserlöslich und damit auswaschungsgefährdet ist. Eine Vorratsdüngung ist daher nicht sinnvoll. Die Schwefelversorgung sollte bedarfsgerecht und zeitnah zur Hauptaufnahme erfolgen. Organische Dünger liefern Schwefel überwiegend in organischer Form, der nur verzögert pflanzenverfügbar wird und kurzfristige Mangelsituationen nicht immer ausgleichen kann.

Zur Diagnose der Schwefelversorgung haben sich Smin-Untersuchungen bewährt, insbesondere im Frühjahr. Für die Düngung stehen verschiedene Mineraldünger zur Verfügung, häufig in Kombination mit Stickstoff. Diese ermöglichen eine schnelle und effiziente Versorgung. Elementarer Schwefel ist für den Frühjahrsbedarf ungeeignet, da seine Umwandlung zu Sulfat temperaturabhängig ist und erst bei höheren Bodentemperaturen einsetzt.

Fazit

Schwefel ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Pflanzenernährung. Sein Einfluss auf Stickstoffeffizienz, Ertrag und Qualität ist wissenschaftlich belegt und praktisch relevant. Eine ausgewogene, fachlich fundierte Schwefelversorgung ist heute entscheidend für den Erfolg moderner Düngestrategien.