Fachberater Nördliches Bayern

Matthias Neuner
Nördliches Bayern

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Der Break-even-Punkt in der Stickstoffdüngung

Das politische und wirtschaftliche Umfeld im Ackerbau gestaltet sich derzeit äußerst schwierig. In den vergangenen Jahren haben verschärfte rechtliche Vorgaben die Stickstoffdüngung erheblich eingeschränkt. Gleichzeitig sind die Märkte für Düngemittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse von starken Preisschwankungen geprägt. Diese Volatilität mag für Akteure an den Finanzmärkten Chancen eröffnen, liegt jedoch selten im Interesse der landwirtschaftlichen Praxis. Stattdessen steigt das Risiko, dass Pflanzenproduktion ihre Wirtschaftlichkeit verliert. Aktuell befinden wir uns an einem Punkt, an dem hohe Produktionskosten deutlich gesunkenen Erlösen gegenüberstehen. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Stickstoffdüngung in den Fokus. Eine fundierte Beurteilung ist letztlich nur durch eine nüchterne, rechnerische Betrachtung möglich.

Der N-bereinigte Erlös

Um zu beurteilen, ob sich eine Stickstoffdüngung rechnet, ist der N-bereinigte Erlös eine zentrale Kennzahl. Er ergibt sich aus dem Verkaufserlös der Ernte abzüglich der Kosten für den eingesetzten Stickstoffdünger. Entscheidend ist dabei, wie sich unterschiedliche Stickstoffmengen auf Ertrag und Qualität auswirken. Genau hier setzen Stickstoffsteigerungsversuche an. Als mehrjährige Exaktversuche zeigen sie praxisnah, welche zusätzlichen Erträge tatsächlich durch höhere Stickstoffgaben erzielt werden – und ab welchem Punkt sich der Einsatz wirtschaftlich nicht mehr lohnt.

Beispielberechnung in Winterweizen

Grundlage der Berechnung ist ein mehrjähriger Exaktversuch der LAF in Cunnersdorf aus den Jahren 2018 bis 2025. Im Versuch wird die Stickstoffdüngung von einer ungedüngten Kontrolle über 50 Prozent des Düngebedarfs in 25 Prozent-Schritten bis auf 150 Prozent gesteigert.

Dargestellt sind der Kornertrag (graue Säulen) und der Rohproteingehalt (blaue Säulen). Zusammen mit einem Stickstoffpreis von 1,20 € je kg N für den eingesetzten Dünger PIAGRAN® pro sowie Weizenpreisen je nach Qualität – 150 €/t für Futterweizen, 164 €/t für Brotweizen und 170 €/t für A-Weizen mit 13 Prozent Rohprotein – lässt sich der Erlös nach Abzug der Stickstoffkosten praxisnah bewerten.

Stickstoffdüngung lohnt sich

Ohne Stickstoffdüngung liegt der Erlös bei insgesamt 840 Euro pro Hektar. Bereits der Einsatz von 50 Prozent der möglichen Stickstoffmenge erhöht den Erlös um 285 Euro je Hektar. Bei einer Steigerung auf 75 Prozent kommen weitere 187 Euro hinzu. Den höchsten wirtschaftlichen Nutzen liefert die 100 Prozent-Variante: Mit einem zusätzlichen Erlöszuwachs von 97 Euro wird hier ein um die Stickstoffkosten bereinigter Gesamterlös von 1.409 Euro pro Hektar erzielt. Eine weitere Erhöhung der Stickstoffmenge über die rechtlich zulässige Obergrenze hinaus führt zwar nur zu geringen Mehrerträgen, bewirkt jedoch deutliche Anstiege im Rohproteingehalt. Wirtschaftlich zahlt sich diese Überdüngung jedoch nicht aus, da die Erlöse im Vergleich zur 100 Prozent-Variante zurückgehen.

Fazit

Stickstoffdüngung im Winterweizen ist eindeutig profitabel. Düngemengen oberhalb der nach Düngeverordnung zulässigen Höchstwerte führen hingegen zu sinkenden Erlösen.