Nmin-Proben nehmen oder pauschale Werte nutzen?

Laut Düngeverordnung 2020 sind vor dem Aufbringen wesentlicher Nährstoffmengen die im Boden verfügbaren Stickstoffmengen zu ermitteln. Die Nmin-Bestimmung auf Basis der Empfehlungswerte der nach Landesrecht zuständigen Stelle oder durch Untersuchung repräsentativer Proben erfolgt, dient als Grundlage für die Düngebedarfsermittlung.

Wie die Probenahme funktioniert, sehen Sie hier:

Verwendung der Nmin-Werte der nach Landesrecht zuständigen Stelle

Zur Bestimmung des Nmin-Gehalts können Untersuchungsergebnisse vergleichbarer Standorte übernommen oder Berechnungs- und Schätzverfahren, die auf fachspezifischen Erkenntnissen beruhen, angewendet werden. Bei diesen Werten handelt es sich um Richtwerte von einer nach Landesrecht zuständigen Stelle. Die betriebsspezifischen Nmin-Gehalte werden darüber nur näherungsweise dargestellt. Ein weiteres Problem: Die endgültigen Nmin-Richtwerte stehen nicht zum Vegetationsbeginn der Winterkulturen und damit zum optimalen N-Düngungszeitpunkt zur Verfügung. Da jedoch eine Düngebedarfsermittlung bereits vor dem Ausbringen von wesentlichen Stickstoffmengen erstellt werden muss, ist meist erst auf die vorläufigen Nmin-Werte zurückzugreifen. Werden später die endgültigen Richtwerte veröffentlicht, muss die Düngebedarfsermittlung entsprechend angepasst werden. Ein Mehr an Büroarbeit und Unsicherheit, was die Düngemenge angeht.

Betriebsindividuelle Bestimmung der Nmin-Werte durch Bodenproben

Wer seine Düngung individuell statt pauschal gestalten möchte, setzt in der Düngebedarfsermittlung auf eigene Nmin-Bodenuntersuchungen. Dabei können die Beprobungen entweder schlagbezogen oder über Bewirtschaftungseinheiten erfolgen. Fällt die Entscheidung auf die Beprobung von Bewirtschaftungseinheiten, ist es sinnvoll, Flächen mit nahezu gleicher Bodentextur und gleicher beziehungsweise ähnlicher Vorfrucht zusammenzufassen.

Bodenprobenahme Nmin

1. Probeentnahmezeitpunkt

Bei Winterungen erfolgt die Probenahme zu Vegetationsbeginn vor der ersten Düngegabe. Jedoch ist eine Vorlaufzeit für die Laboranalyse zu berücksichtigen. Zu empfehlen ist eine Probenahme daher etwa 10 bis 14 Tage vor der geplanten Düngung. Auch bei Sommerungen sollte die Nmin-Beprobung zur Frühjahrsbestellung beziehungsweise circa 10 bis 14 Tage vor der Stickstoffgabe erfolgen.

2. Probeentnahmefläche

Flächen, auf denen die Proben gezogen werden, sollten mehrfach beprobt werden, sodass eine repräsentative Mischprobe entsteht. Vor der Probenentnahme sollte sich ein Probeentnahmeraster überlegt werden. Erfolgen zukünftige Probeentnahmen nach dem gleichen Raster, sind die Proben verschiedener Jahre sehr gut vergleichbar. Das Ziehen der Proben kann entweder im Zick-Zack-Begang (in Form eines liegenden N) oder bei sehr kleinen Flächen entlang einer Diagonalen erfolgen.

3. Probenentnahme

Die Probenentnahme wird mit dem Pürckhauer-Bohrstock beziehungsweise mit dem dreiteiligen Bohrsatz in den Tiefen 0–30 cm, 30–60 cm und 60–90 cm durchgeführt. Bei Kulturen mit flachem Wurzelwerk und kurzer Vegetationsdauer sind nur Tiefen bis 60 cm zu berücksichtigen. Wurde der Bohrstock auf die gewünschte Tiefe in den Boden eingeschlagen, ist dieser unter langsamem Drehen herauszuziehen. Überstehender Boden ist mit einem Messer längs des Bohrstocks zu entfernen. Außerdem sollten die obersten zwei bis drei Zentimeter des Bohrkerns sowie Pflanzenmaterialien und Steine entfernt werden. Die Bodenproben sind jeweils den Schichten zugeordnet, zuerst in einen Eimer zu überführen, wo die Einzelproben zu einer Mischprobe vermengt werden. Jede Mischprobe (etwa 500 Gramm) sollte mindestens 12 Einzelproben enthalten.  Die Nmin-Probenahme kann auch bequem halbautomatisch mit einem Probenahmefahrzeug und einem automatischen Probenehmer durchgeführt werden. Es bietet sich an, die Probenahmepunkte mit GPS zu hinterlegen, um über Jahre hinweg vergleichbare Probenahmeorte zu nutzen.

4. Probenverpackung und Probentransport

Die Probenverpackung erfolgt in Plastikbeuteln. Diese sind vorher mit einem wasserfesten Stift zu beschriften (Betrieb, Beutelnummer, Schlagbezeichnung, Tiefe/Bodenschicht und Datum der Probenentnahme). Wurden die Mischproben verpackt, sollten diese sofort auf zwei bis vier Grad Celsius gekühlt beziehungsweise bei Lagerung tiefgefroren werden. Die Kühlung ist erforderlich, da neben Nitrat- und Ammoniumstickstoff auch organisch gebundener Stickstoff sowie mineralisierende Mikroorganismen im Boden enthalten sind. Werden die Bodenproben nicht gekühlt, sondern bei zum Beispiel 20 °C im Auto transportiert oder gelagert, mineralisieren die Mikroorganismen den organisch gebundenen Stickstoff. Die Bodenprobe weist nun deutlich höhere Nmin-Werte auf und ist somit verfälscht. Die Folge: Die Düngebedarfsermittlung ermittelt eine Stickstoffdüngungsmenge unter dem Bedarf ihrer Kultur.

Tipps vom Praktiker

Wenn die Nmin-Proben genommen und analysiert werden auch den Smin-Gehalt im Boden bestimmen. Stickstoff und Schwefel bedingen sich gegenseitig. Nur bei ausreichender Schwefelversorgung kann der applizierte Stickstoff optimal genutzt werden.

Auf drainierten Flächen ist es ratsam, zusätzlich zu der Schicht 60–90 cm, die Schicht 60 cm bis zur Tiefe der Drainage (70–80 cm) zu beproben. Dieser Wert ist der ackerbaulich interessante Wert. Stickstoff, der in den Boden bis auf Drainagehöhe infiltriert, bewegt sich zur Drainage und gelangt in den Graben. Außerdem wachsen die Kulturen nicht viel weiter unter den drainierten Horizont. Damit ist aus ackerbaulicher Sicht der Horizont unter den Drainagen eher uninteressant.