Mit Flüssigdüngern randgenau Nährstoffe applizieren – wie funktioniert das?

Da, wo es auf Genauigkeit ankommt, können Flüssigdünger ihre Stärken ausspielen. Mit Flüssigdüngern lassen sich die Abstandsauflagen der Düngeverordnung einfacher einhalten. Die sehr exakte Düngerausbringung garantiert die Applikation der vollen Düngermenge und damit auch maximale Erträge bis an die Schlaggrenzen. Grund dafür ist die gleichmäßige Querverteilung des Stickstoffs mit einem geringen Variationskoeffizienten, vergleichbar mit der Applikation von Pflanzenschutzmitteln.

Besonders bei großen Arbeitsbreiten ist eine Unter- und Überdüngung bestimmter Schlagbereiche nahezu ausgeschlossen. Zudem bietet die Flüssigdüngung - in gewissen Grenzen - eine höhere Witterungsunabhängigkeit. Sie erhöht somit im Rahmen der betrieblichen Arbeitsabläufe die Flexibilität und kann daher Arbeitsspitzen entzerren.

Von entscheidender Bedeutung für einen erfolgreichen Einsatz flüssiger Stickstoffdünger ist deren Qualität. Nur mit Flüssigdüngern in Markenqualität ist eine hohe Pflanzenverträglichkeit gewährleistet, was wiederum die Grundlage für eine hohe Stickstoffausnutzung darstellt.

Praxiserfahrungen mit Flüssigdüngern aus Piesteritz!

Was zeichnet einen Flüssigdünger in Markenqualität aus?

Das bedeutendste Qualitätskriterium eines Flüssigdüngers ist dessen Oberflächenspannung. Bei Flüssigdüngern mit einer geringen Oberflächenspannung sind die Düngertropfen „instabil“. Sie rollen deswegen nicht so gut vom Blatt ab und bilden daher einen Spritzfilm. Dieser Spritzfilm kann besonders unter kritischen Applikationsbedingungen zu ausgedehnten Nekrosen an den Blättern führen. Eine solche Schädigung der Assimilationsfläche ist gleichbedeutend mit einer verminderten Photosyntheseleistung. Diese ist häufig mit starken Ertrags- und Qualitätseinbußen verbunden. Flüssigdünger in Markenqualität mit einer hohen Oberflächenspannung von 60 bis 80 mN/m bildet stabile Tropfen, die sehr gut vom Blatt abrollen. Das Abrollen vom Blatt ist der entscheidende Vorteil – es bildet sich kein Spritzfilm auf dem Blatt und der Flüssigdünger kann über den Boden optimal wirken.

Bei Flüssigdüngern in Markenqualität liegt der pH-Wert zudem im neutralen Bereich (pH 6-7) – ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Pflanzenverträglichkeit.

Qualitätsmängel beim Flüssigdünger kosten Ertrag!

Der Einfluss der Oberflächenspannung auf Ertrag und Stickstoffentzug ist beträchtlich. Das zeigen langjährige Feldversuche im Winterweizen. In diesen wird jährlich unter kritischen Applikationsbedingungen der Flüssigdünger PIASAN® 28 mit einer AHL 28 (mit niedriger Oberflächenspannung) verglichen. Diese bereits über 15 Jahre laufenden Versuche zeigen, dass bei einer Anwendung von Qualitätsflüssigdüngern das Risiko von Blattverätzungen und die damit verbundenen Ertragsminderungen erfolgreich minimiert werden. Zudem werden der Stickstoffentzug und die Stickstoffausnutzung wesentlich verbessert.

Die Pflanzenschädigungen in Form von Blattnekrosen (Flüssigdünger-Ausbringung unter kritischen Bedingungen) betragen im Mittel der 15 Jahre bei AHL mit schlechter niedriger Oberflächenspannung 14 Prozent. Durch die Anwendung von PIASAN® 28 werden diese Schädigungen auf marginale 4 Prozent reduziert. Dies führt zu einer erheblichen Ertragssteigerung von 10,5 dt. pro Hektar (12 Prozent). Die Stickstoffbilanz kann im Mittel um 19 kg N pro Hektar und Jahr entlastet werden.

Wie wird die Oberflächenspannung gemessen?

Die Messung der Oberflächenspannung entspricht der Messung der vertikalen Kraft, die die Oberfläche der Flüssigkeit auf einen Messkörper ausübt.

Der Probentisch wird nach unten bewegt und die Schale mit der Flüssigkeit auf diesen gestellt. Danach wird der Probentisch nach oben bewegt, so dass die Platte vollständig von der Probe benetzt wird.

Beim erneuten Herunterbewegen des Probentisches wird vor Abriss des Kontaktes zwischen der Flüssigkeitsoberfläche und unterer Plattenkante der maximale Wert auf dem Display angezeigt.

Dieser Wert stellt den absoluten Oberflächenspannungswert in mN/m dar.

Näheres dazu finden Sie im folgenden Video: https://www.youtube.com/watch?v=5BQsoXl_I-w&t=5s 

An der Qualität sollte nicht gespart werden!

Die Übersicht zeigt, dass die Vorteile von Flüssigdüngern in Markenqualität auf der Hand liegen.

Welche Düsen eignen sich am besten für die Flüssigdüngung?

Bei der Ausbringung von Flüssigdüngern soll praktisch genau das Gegenteil dessen erreicht werden, was bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln das Ziel wäre. Die Pflanzen sollen nicht benetzt werden, sondern die Tropfen sollen möglichst groß sein und gut abrollen. Besonders gut geeignet, sowohl bezüglich der Tropfengröße als auch hinsichtlich der Verteilgenauigkeit sind Flüssigdüngerdüsen (FD-Düsen). Doch auch Mehrlochdüsen („Pinkeldüsen“) erzeugen bei angepasstem Druck grobe Tropfen bei guter Querverteilung. Generell werden die Pflanzen mit zunehmenden physiologischen Alter empfindlicher, sodass auch die Anforderungen an die Applikationstechnik steigen.

Flüssigdünger traditionell oder stabilisiert?

Der Unterschied von einem stabilisierten zu einem traditionellen Flüssigdünger besteht darin, dass stabilisierte Flüssigdünger Nitrifikationsinhibitoren enthalten. Diese verzögern die Umwandlung des Stickstoffs von der nicht auswaschungsgefährdeten Ammonium- zur mobilen Nitratform. Dies geschieht in Abhängigkeit von Witterung und Bodenverhältnissen um sechs bis zehn Wochen. Dadurch kann der Stickstoff früh auf feuchten Böden appliziert werden und befindet sich bei einem späteren Austrocknen der Bodenoberfläche bereits im Wurzelraum. Damit ist er genau dort, wo die Pflanze ihn benötigt. Die stabilisierte Flüssigdüngung kann bei Wetterextremen Vorteile bringen. Aufgrund der zeitigen Ausbringung ist eine gute Wirksicherheit gegeben, ohne das Risiko einer Nitratverlagerung oder -auswaschung in Kauf zu nehmen.

Stabilisierte Flüssigdünger:

Traditionelle Flüssigdünger:

Warum passen Flüssigdünger und Ureaseinhibitor nicht zusammen?

Der Zusatz eines Ureaseinhibitors zu Flüssigprodukten wie AHL ist nicht zielführend. Einerseits sind darin nur 50 % des Gesamtstickstoffs als Harnstoff enthalten, sodass auch das Verlustminderungspotenzial durch den Ureaseinhibitor deutlich geringer ist. Ferner dringt ein Flüssigdünger, anders als eine Harnstoffgranalie, nach dem Auftreffen direkt in den Boden ein und ist somit vor Ammoniakverlusten geschützt. Insgesamt ist das Verlustminderungspotenzial deswegen verschwindend gering.