Kartoffelanbau 2021 – Herausforderungen und Chancen

Das Jahr 2021 unterscheidet sich in Bezug auf die Witterung stark von den Jahren 2019 und 2020. Wasserknappheit war nur vereinzelt zu verzeichnen, sodass vielerorts auf eine kostenintensive Beregnung verzichtet werden konnte. Hingegen waren erschwerte Auflaufbedingungen und ein deutlich höherer Druck an pilzlichen Schadorganismen zu verzeichnen.

Frühes Legen war nicht der Weg zum Erfolg

Anders als in den Anbaujahren 2019 und 2020, wo gerade die früh gelegten Kartoffeln durch die Ausnutzung der winterlichen Bodenfeuchte bei gängig milden Temperaturen Vorteile hatten, war es 2021 nicht so. Gerade auf den schweren und kalten Standorten wurden auch noch Anfang Juni Bodentemperaturen unter 8 °C gemessen. Die dort schon gelegten Kartoffeln verharrten im Boden ohne jegliches Wachstum, wodurch deren Keimstärke zurückging. Zusammen mit regionalen Starkniederschlägen und einer Verschlämmung des Kartoffeldamms führte dies in manchen Regionen zu extremen Fehlstellen in den Beständen. Um einem solch mangelhaftem Feldaufgang unter schweren Bedingungen entgegenzuwirken, sollte auf gesundes Pflanzgut geachtet werden.

Frühe Besiedlung der „schwach“ aufgelaufenen Bestände mit Blattläusen

Mit ansteigenden Temperaturen im Juni startete die Vegetation der Kartoffel. Mit dem Durchstoßen der ersten Stauden aus dem Damm kam es auch zeitgleich zu einer Besiedelung mit Blattläusen (Abbildung 2). Gerade im Pflanzkartoffelanbau war es nötig hier zu handeln. Als Alternative zu den herkömmlichen Insektiziden ist im Pflanzkartoffelanbau Paraffinöl zur Virusvektorenbekämpfung (Blattlaus) zugelassen.

Dabei sollte bei den Paraffinölen folgendes beachtet werden

  • mindestens 300 besser 400 Liter Wasser/ha
  • keine Mischung mit Fluazinam (Shirlan, Terminus)
  • kein Einsatz in Verbindung mit Flonicamid
  • keine Mischung mit Herbiziden (Sencor, Mistral) und Flüssigdünger
  • Öl generell zuletzt dazugeben
  • nur auf trockene Blätter spritzen
  • keine Ausbringung bei hoher Hitze und Sonneneinstrahlung, bevorzugt abends und nachts applizieren, bei Temperaturen von über 23 °C kommt es an der Pflanze auch im Schatten zu starken Verbrennungen
  • nicht mehr als die zulässige Aufwandmenge applizieren

Spritzabstände engmaschig fahren – feuchte Jahre sind „Phytophtora-Jahre“

Wer die letzten zwei Jahre die Fungizidbehandlung der Kartoffeln eher extensiv gefahren hat, konnte Geld sparen ohne Ertragseinbußen zu verzeichnen. Vor allem 2020 waren die Nullparzellen häufig nicht durch pilzliche Schaderreger befallen. Anders war es in diesem Jahr. Durch die ausreichenden und engmaschigen Niederschläge bei Temperaturen von über 18 °C wurde die epidemiologische Ausbreitung der Kraut- und Knollenfäule begünstigt. Dabei waren häufig neben den Blättern auch die Stängel befallen. Spritzungen in einem fünf bis sieben tägigen Intervall, mit einem entsprechendem Fungizid, in anfälligen Sorten häufig aus einer Kombination aus Sporizid und teilsystemischem Mittel, waren keine Seltenheit.

Gerade zum Vegetationsende der Kartoffel war und ist auf den Befall mit Alternaria zu achten. Bei einem Befall mit der Dürrflecken- beziehungsweise Sprühfleckenkrankheit soll ein entsprechendes Fungizid eingesetzt werden.

Zeit für die Sikkation

Wer Pflanzkartoffeln anbaut und diese ihre entsprechende Sortierung aufweisen, muss das Laub „abtöten“ und die Abreife fördern. Wer auf den Punkt düngt, der hat hierbei Vorteile. Ist der Stickstoff aus dem Boden aufgebraucht, leiten die Kartoffeln entsprechend eigenständig ihre Abgreife ein und eine chemische und mechanische Krautabtötung (Schlegeln oder Zupfen) wird erleichtert. Bei der chemischen Krautabtötung sollte drauf geachtet werden, dass die dazu einzusetzenden Pflanzenschutzmittel in der prallen Sonne gespritzt werden. Außerdem ist es sinnvoll beim Einsatz von Pyraflufen den fungiziden Wirkstoff Fluazinam beizumischen. Hierdurch soll die Wirkungsweise vom Pyraflufen verstärkt werden und der Anbauer geht in Puncto Phytophtora auf Nummer sicher.

Ein kleiner Tipp für die Anbauflächen 2022

Befindet sich Ackerschachtelhalm auf den Flächen, sollte dieser wenn möglich in der Vorkultur bekämpft werden. Eine Bekämpfung in den Kartoffeln ist nicht möglich.