Düngeempfehlung Getreide 2021 – Sicherheit bei ungünstiger Witterung

Der Klimawandel begrenzt die Stickstoffdüngung

Zunehmende Wetterextreme können bei massiven und anhaltenden Niederschlägen die Düngung und Nährstoffversorgung der Bestände gefährden. In solchen Jahren sind die raren Momente guter Befahrbarkeit zu nutzen und der applizierte Dünger muss vor Verlagerung und Auswaschung geschützt werden. Vielleicht entwickelt sich 2021 zu so einem verregneten Jahr. Die aktuelle Situation spricht zumindest für einen sehr nassen und somit verspäteten Start in die Düngesaison.

Viel häufiger traf uns zuletzt allerdings das andere Extrem. Bereits die Schossergaben litten oftmals unter anhaltender Trockenheit. Der gestreute Dünger lag Tage oder gar Wochen auf der Bodenoberfläche und konnte von den Pflanzen nicht genutzt werden.

Es ist eine der größten Herausforderungen für Düngung und Pflanzenbau, sich solchen Extremen zu stellen und eine sowohl ökonomisch als auch ökologisch hohe Düngeeffizienz abzusichern.

Vorgezogene Stickstoffgaben mit stabilisierten Düngern

Werden Nitrifikationsinhibitoren eingesetzt, kann die erste Stickstoffgabe unter Einhaltung der guten fachlichen Praxis bereits 1 bis 3 Wochen vor Vegetationsbeginn (VB) erfolgen. Verlustrisiken durch Nässe und Sauerstoff-Mangel (Nitratauswaschung, Lachgas- und N2-Emissionen) werden durch die Ammoniumstabilisierung wirksam unterbunden. Ammoniakverluste aus harnstoff- oder ammoniumhaltigen Mineraldüngern sind unter kühl-feuchten Bedingungen zu vernachlässigen. Dies gilt auch für Wirtschaftsdünger, deren frühe Ausbringung ebenfalls mit einem Nitrifikationsinhibitor erfolgen sollte. 

Wintergerste und Winterroggen

Als stabilisierte Düngestrategie zu Wintergerste hat sich auf allen Standorten, die keine ausgesprochenen Spitzenerträge hervorbringen, eine Einmalgabe bewährt (siehe Abbildung 1). Das gilt generell auch für den Winterroggen (siehe Abbildung 2).

Die besten Strategien für Winterroggen und Wintergerste finden Sie in unseren Online-Seminaren:

Winterweizen

In Winterweizen sind bei einem N-Bedarf von >150 kg N/ha auch bei ammoniumstabilisierten Düngemitteln zwei Teilgaben erforderlich. Dabei kann die Startgabe in Abhängigkeit von den Standortfaktoren ebenfalls früh erfolgen. Die terminlich flexible 2. Gabe zu Winterweizen sollte, ebenso wie bei Wintergerste im Hochertragssegment, unter Ausnutzung geeigneter Witterungsfenster während des Schossens ab BBCH 32 bis 37 appliziert werden.

Mit diesem System wird ein zu jederzeit pflanzenverfügbares Stickstoffangebot im Boden geschaffen. Gleichzeitig lässt sich bei ausbleibenden Niederschlägen die Ertragssicherheit deutlich verbessern, denn durch die Zusammenfassung von Teilgaben können Trockenperioden umgangen und Niederschläge für eine optimale Düngerwirkung ausgenutzt werden. Dank der ammoniumbetonten Pflanzenernährung besteht dabei keine Gefahr, dass die Bestände Luxuskonsum betreiben und überwachsen.

Wenn Sie sich die Strategien für den Winterweizen nochmal ausführlich anschauen wollen, dann nutzen Sie dazu unser Online-Seminar.

Düngung mit dem Baukastensystem

Auf Standorten mit hohem Dürrerisiko oder bei geringem Stickstoffbedarf lässt sich der Einsatz eines Nitrifikationsinhibitors zur ersten Gabe auch mit Folgegaben kombinieren, die nicht ammoniumstabilisiert sind. In einem solchen Baukastensystem kann z.B. das Fundament mit ALZON® neo-N (vor oder zum VB) gelegt werden. Dabei sollen ca. 2/3 des gesamten Düngebedarfs fallen, mindestens aber 60 kg N/ha. Darauf aufbauend folgt in Abhängigkeit von Witterung und Ertragsaussichten zwischen BBCH 32 bis 49/51 die Zweitgabe z.B. mit PIAGRAN® pro oder PIAMON® 33-S. Diese kann, wenn sich starke Ertragseinbußen abzeichnen, auch verkleinert oder ganz weggelassen werden.

 

Hohe Stickstoffeffizienz unter trocken warmen Bedingungen

Unter trocken-warmen Bedingungen vermindert der Ureaseinhibitor in PIAGRAN® pro und ALZON® neo-N das Risiko von Ammoniakverlusten nahezu vollständig. Deshalb erreichen beide Dünger und auch die Mischung getreide-power® neo unter allen Witterungsbedingungen stets eine vergleichsweise hohe Stickstoffeffizienz. Der Ureaseinhibitor sichert über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen den Verbleib des Düngers in der hochlöslichen Harnstoffform. So wird neben der Ammoniakminderung auch ein optimales Eindringen in den Boden und eine gute Verteilung in der Ackerkrume gefördert. Eine starke Taubildung oder ein Nieselregen sind dazu bereits ausreichend. Ist der Harnstoff einmal im Boden, wird er sehr schnell zum pflanzenverfügbaren Ammonium umgesetzt.

Allerdings verlangt PIAGRAN® pro eine klassische Gabenteilung, da er keinen Nitrifikationsinhibitor enthält.

Schnell gelesen

Stabilisierte Düngestrategien auf Basis eines Nitrifikationsinhibitors erhöhen die Ertrags- und Wirksicherheit erheblich. Stickstoffverluste über alle Verlustpfade lassen sich wirksam vermeiden. Flexibilität und Witterungsunabhängigkeit der Düngung nehmen zu. Um hohe Erträge zu erzielen, ist es empfehlenswert, die 1. Gabe sehr früh, wenn möglich schon vor Vegetationsbeginn zu realisieren. Wintergerste und Winterroggen können eine Einmalgabe erhalten. Winterweizen muss in zwei Gaben gedüngt werden. PIAGRAN® pro zeichnet sich durch eine hohe N-Effizienz aus, muss aber wie traditionelle Dünger in mehrere Gaben aufgeteilt werden.

Sie wollen sich den Unterschied zwischen Urease- und Nitrifikationsinhibitoren nochmal anschaulich erklären lassen? Dann schauen Sie hier: