Boden-Nmin-Untersuchung zum Start in die Düngesaison – was gilt es zu beachten?

Boden-Nmin-Untersuchung zum Start in die Düngesaison – was gilt es zu beachten?
Der Nmin-Wert Ausgangs des Winters vor dem Düngestart spiegelt den Gehalt an pflanzenverfügbarem Ammonium- (NH4-N) und Nitrat-Stickstoff (NO3-N) im Boden, wider. Er stellt eine wesentliche Berechnungsgröße der Düngebedarfsermittlung gemäß Düngeverordnung dar und hat damit maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der mineralischen oder organischen Düngung zur Deckung des Stickstoffbedarfs der Kulturpflanzen.

Die Witterungsbedingungen seit der Herbstaussaat 2020 sorgten für gute Mineralisationsbedingungen in fast allen Regionen Deutschlands. Auch im Hinblick auf die anstehende Düngesaison 2021 wird, wie in vorangegangenen Jahren, der weitere Witterungsverlauf bis Vegetationsbeginn für die Höhe der dann vorliegenden Nmin-Werte entscheidend sein.

Probenahme-Zeitraum

Optimal für die Probenahme ist ein Zeitraum von 5 bis 8 Tagen vor der geplanten N-Düngung im Frühjahr. Der Boden soll sich in einem Zustand befinden, der es erlaubt, dass der Bohrstock bis zur erforderlichen Entnahmetiefe eindringt und sich die Bohrstocknut vollständig mit Boden füllt. Auf ein gutes Timing zwischen Probenahme, zeitnaher Laboranalyse und anschließender Düngung kommt es an.

Probenahmeflächen

Die Fläche je Nmin-Probe sollte sich stets an der Heterogenität des Bodens orientieren, jedoch auch auf homogenen und einheitlich bewirtschafteten Flächen 10 ha nicht überschreiten. Die Probenahmen werden mittels Flurkarten festgelegt oder besser per GPS erfasst, um Nachvollziehbarkeit und Vergleiche zu Vorjahren zu ermöglichen.

Probenahme, Transport und Lagerung

Die Nmin-Probenahmen sind von sachkundigen Personen, die mit der Schlagspezifik vertraut sind, durchzuführen. Die Beprobung auf der jeweiligen Fläche erfolgt in Form eines liegenden N. Der Abstand zwischen den Einstichen entlang der Ganglinie ist möglichst gleichzuhalten. Die Abstände zwischen Probenahme-Punkten sollten auf Ackerland 15 bis 20 m und auf Grünland gegebenenfalls 35 bis 40 m betragen. Die Nmin-Proben sind in der Regel über 0…90 cm Bodentiefe unterteilt in die Schichten 0-30, 30-60 und 60-90 cm zu entnehmen. Jede Probe ist getrennt nach Probenahme-Tiefen zu erfassen, zu dokumentieren und intensiv manuell zu homogenisieren. Beachten Sie in jedem Fall die Durchführungsbestimmungen und gesonderten Festlegungen in Ihrem Bundesland.

Zur Vermeidung von Messwert-Verfälschungen müssen die Proben stets gut gekühlt (unter 4 °C) gelagert und transportiert werden. Dabei hat sich die Nutzung von Kühltaschen ab Feldrand bewährt.

Einschätzung der aktuellen Situation

Der Nmin-Gehalt bildet nur einen Bruchteil des Gesamt-N-Gehaltes im Boden ab. Er unterliegt zahlreichen variablen Einflüssen. Dazu gehören z.B.:

  • In- und Output über Düngung und Ernte
  • Vorfruchtwirkungen über Ernte und Wurzelrückstände
  • Art und Intensität der Bodenbearbeitung
  • Zwischenfruchtanbau und deren herbstliche N-Aufnahme
  • N-Entzug der angebauten Kultur von Aussaat im Herbst bis zum folgenden Frühjahr
  • biologische Aktivität im Boden in den Wochen und Monaten vor der Probenahme

Im Hinblick auf den Witterungsverlauf war das Jahr 2020 am Standort der Landwirtschaftlichen Anwendungsforschung der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH in Cunnersdorf bei Leipzig nach der Ernte durch trockene Böden bei vergleichsweise hohen Temperaturen gekennzeichnet (Abb. 1). Erst ab Oktober fand bei weiterhin moderaten Temperaturen eine nennenswerte Durchfeuchtung und damit auch Mineralisation statt.

Diese Bedingungen führten bis in den Dezember 2020 hinein zu erhöhten Nmin-Gehalten im Boden wie dies auch 2018/19 der Fall war (Abb. 2). Die Umsetzung N-armer Ernterückstände (z.B. Stroh) dürfte sich aber im weiteren Verlauf des Winters verhalten fortsetzen und mineralisch verfügbaren Stickstoff binden, solange der Boden nicht tiefgründig gefriert. In der Folge würden die Boden-Nmin-Werte eher geringer werden.

Nmin-Beprobung erst kurz vor 1. N-Düngung durchführen

Die am Standort Cunnersdorf zum Jahresende 2020 gemessenen recht hohen Nmin-Werte zeigen eine Analogie zu den Werten des Winters 2018/19, die unter weitgehend vergleichbaren Bedingungen erhobenen worden sind. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ende Dezember 2020 recht hohe Nmin-Niveau im weiteren Verlauf des Winters (bis Mitte Februar) auf standorttypische Werte normalisiert, ist daher auf alle Fälle gegeben (Abb. 2). Der weitere Witterungsverlauf bleibt laut jüngster Prognosen des Deutschen Wetterdienstes spannend. In jedem Falle sollte die Nmin-Probenahme im Rahmen der Düngebedarfsermittlung standortorientiert und am besten schlagspezifisch erst kurz vor dem geplanten Start in die Düngesaison 2021 erfolgen.

Schnell gelesen

  • Vielfältige Faktoren beeinflussen den Nmin im Boden.
  • Ebenso wie die Witterung können auch Nmin-Mengen hohe räumliche und temporäre Schwankungen und dabei auch extreme Werte aufweisen.
  • Deshalb sind einige grundlegende Regeln bei der Nmin-Bestimmung einzuhalten.