Blick in die Vegetation Roggen und Gerste – Fit für trockene Standorte

Blick in die Vegetation – Bericht aus Brandenburg

Wie sich Winterroggen und -gerste in diesem Jahr entwickeln, berichtet unser Außendienstmitarbeiter aus Brandenburg Bertram Kühne direkt aus der Praxis.

Roggen

Roggen ist eines der Getreide, dessen Anbau weltweit nur eine geringe Bedeutung hat und lediglich auf 2 Prozent der Getreidefläche angebaut wird. Dabei sieht es in Deutschland anders aus. Hier nimmt der Roggen vor allem in Regionen mit leichten, sandigen Böden eine starke Stellung in der Fruchtfolge ein. Dabei wird die Winterform angebaut, denn diese Form weist höhere und sicherere Erträge auf als die Sommerform. Bei den meisten Sorten handelt es sich um Hybridroggen.

Ein Grund, warum der Roggen in Deutschland eine vergleichsweise hohe Bedeutung hat, sind die geringen Standortansprüche. Durch die hohe Leistungsfähigkeit des Wurzelsystems ist der Roggen an trockene Standorte angepasst. Das Ganze wird noch einmal durch die frühe phänologische Pflanzenentwicklung sowie einer langen Kornfüllungsphase unterstützt. Außerdem fangen die Bestände im Frühjahr schon bei Lufttemperaturen von 1 bis 3 °C mit dem Wachstum an. Der Roggen ist außerdem nahezu selbstverträglich und kann prinzipiell nach allen Vorfrüchten angebaut werden.

Jedoch ist beim Roggen auch Vorsicht geboten. Wird der Roggen zu früh gesät oder deutlich über den Bedarf mit Stickstoff ernährt, neigt er Roggen zu einer hohen Lageranfälligkeit. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Anbauparameter klar geplant werden. Dazu zählt auch das richtige Düngungsmanagement. Bewährt und ausgezeichnet hat sich dabei eine ammoniumbetonte, stabilisierte Stickstoffgabe zu Vegetationsbeginn. Durch die ammoniumbetonte Ernährung lässt sich ein Luxuskonsum mit Stickstoff vermeiden. Zusätzlich ist es gerade auf den „roggenprädestinierten“ Standorten häufig im Frühjahr trocken. Umso wichtiger ist es, die Bodenfeuchtigkeit aus dem Winter auszunutzen.

Wintergerste

Anders als Roggen nimmt Wintergerste einen größeren Stellenwert in der Getreideproduktion ein. Dabei ist auch die Wintergerste ein Getreide, was noch ziemlich gut an trockene Bedingungen angepasst ist. Sie ist Hitze unempfindlicher als Weizen und benötigt pro Dezitonne Kornertrag weniger Wasser. Jedoch muss auf den Boden geachtet werden, da sie sensibel auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert. Am besten wächst Wintergerste auf feinsandigen bis schluffig-lehmigen, tiefgründigen Böden mit einer guten Kalkversorgung. Da Wintergerste im Vergleich zum Roggen jedoch ein deutlich schlechteres Wurzelwerk ausbildet, ist das Nährstoffaneignungsvermögen eingeschränkter. 

Auch bei der Wintergerste gilt für die Düngung: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Denn: Je später die Wintergerste mit Stickstoff gedüngt wird, umso höher ist der Stickstoffgehalt im Stroh. Deswegen sollte auch hier drauf geachtet werden, dass die Wintergerste zeitig im Frühjahr angedüngt und dabei ein stabilisiertes Düngemittel verwendet wird:

  • Luxuskonsum zu vermeiden
  • Das Nährstoffaneignungsvermögen zu unterstützen (Spurenelemente und Phosphat aus dem Boden werden bei einer Ammoniumernährung besser pflanzenverfügbarer)
  • Die Niederschläge aus dem Winter zu nutzen,
  • Überfahrten und damit Geld sparen