Ährengabe und Qualitätsgabe im Winterweizen – auf die Witterung achten

Vielerorts in Deutschland überwiegt Trockenheit. Wer seinem Winterweizen jetzt die „Qualitätsgabe“ geben möchte, für den ist diese Witterungslage äußerst ungünstig. Das Risiko dieser Gabe mit ohnehin schlechter N-Effizienz ist recht groß. Auf sie zu verzichten könnte wiederum erhebliche Probleme bei der Qualität nach sich ziehen.

Warum Ährengabe im Winterweizen setzen?

Die Ährengabe im Winterweizen dient dazu, den Rohproteingehalt im Korn zu steigern. Nur circa die Hälfte des spät gedüngten Stickstoffs gelangt dorthin, wo er wirken soll, nämlich ins Korn. Der Rest gelangt ins Stroh oder verbleibt im Boden und hebt dort den Nachernte Nmin. Dennoch ist eine Qualitätsgabe ein einschneidender Schritt bei der Produktion von E-Weizen (Eliteweizen), A-Weizen (Qualitätsweizen) und K-Weizen (Keksweizen). Hier sind die Mindestgehalte an Rohprotein, um die entsprechende Qualitätsgruppe zu erreichen, klar definiert:

E-Weizen → mindestens 13,3 % Rohprotein

A-Weizen → mindestens 12,6 % Rohprotein

K-Weizen → mindestens 12,7 % Rohprotein

Auch beim B-Weizen (Brotweizen), der mindestens 12,3 % Rohprotein im Korn aufweisen muss, ist eine kleine Ährengabe zu empfehlen, um hier auf „Nummer sicher“ zu gehen. Gerade vor dem Hintergrund der Trockenheit ist bei organisch düngendem Betreiben die N-Nachlieferung unsicher und erfolgt häufig in Schüben.

Stickstoff ist nicht alles – unbedingt auf Schwefel achten

Die Schwefeldüngung hat zwei Effekte auf den Winterweizen. Eine erste frühe Schwefeldüngung – im Idealfall zusammen mit Stickstoff – hat einen entscheidenden Ertragseffekt und macht sich im Korntank vom Drescher bemerkbar.

Der zweite Effekt macht sich im Rohproteingehalt spürbar. So führt der Einsatz eines Schwefel-Stickstoffdüngers zur Ährengabe im Vergleich zu einer reinen Stickstoffdüngung zu einem höheren Rohproteingehalt mit einer signifikant besseren Backqualität.

Bei Trockenheit auf Flüssigdünger setzen und Blattdüngungseffekt nutzen

Großer Vorteil bei flüssigen Düngemitteln: Sie werden auch zum Teil (etwa 10 Prozent) über das Blatt aufgenommen. Dies hilft für eine kurze Zeit dem Bestand, ersetzt aber nicht die Stickstoffaufnahme über die Wurzel. Für diese bedarf es Niederschläge.

Flüssigdünger können bei guter Wachsschicht bis nahe des Ährenschiebens mit AD- oder ID-Düsen ausgebracht werden. Bei empfindlicheren Beständen (beispielsweise nach stärkeren Niederschlägen) sind Mehrloch- oder Flüssigdüngerdüsen (FD-Düsen) die bessere Wahl. Sobald das Fahnenblatt spitzt, können Flüssigdünger pur nur noch mit Schleppschläuchen ausgebracht werden. Ganz wichtig dabei:

Bei der Ausbringung sollte die Mindestflüssigkeitsmenge von 150 l/ha nicht unterschritten werden. Die Zugabe von Wasser im Verhältnis von 1:1 bis 1:4 wird dabei nicht empfohlen. Somit sind „nur“ Gaben von etwa 30 bis 40 kg Stickstoff pro Hektar über einen Flüssigdünger möglich. Dies spiegelt unter trockenen Bedingungen auch einen sehr guten Rahmen wieder. Zu hohe Mengen unter Trockenheit zu applizieren ist unwirtschaftlich.

Wenn der gesegnete Regen kommt

Werden höhere Niederschläge zur Ährengabe gemeldet, dann ist diese an die Witterung anzupassen. Das heißt für mineralisch düngende Betriebe: Auf den vollen Düngebedarf aufdüngen. Hier eignet sich hervorragend ein PIAMON® 33-S (ideales Stickstoff- zu Schwefelverhältnis). Anders sieht es bei den organisch düngenden Betrieben aus. Hier sollte auf eine höhere Ährengabe verzichtet werden, da Niederschläge Mineralisationsschübe nach sich ziehen. Wird jetzt noch zusätzlich Stickstoff gedüngt, so kann der Winterweizen zum Lager neigen.